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schau all diese Kontraste der wildesten Scenerien der Natur mit ihren sanftesten und lieblichsten Gebilden: – und du wirst die Schönheit und Poesie dieses Ortes tief empfinden. Dort kannst du unter den Bäumen sitzen, und während deine Blicke dem Laufe des Wassers folgen, das, eben noch zerrissen und gepeitscht in den Schnellen, jetzt, unmittelbar vor seinem Sprung in die Tiefe, eine merkwürdige Ruhe gewonnen hat und klar und lustig über den seichten Felsengrund dahin hüpft: – während dem hörst du aus ungesehener Tiefe herauf das majestätische Brausen des Katarakts. Es sind dieselben Wellen, die einen Moment zuvor sanft plätschernd deine Füße netzten und die nun, kaum 20 Fuß von dir entfernt mit ihren Millionen Schwestern über die Felsenbrüstung in den Abgrund stürzend, den ungeheuersten Wasserfall bilden. Hast du dich dann in den waldbewachsenen Flanken von Goat-Island satt ergangen, dann ersteige die Gallerie des steinernen Thurms, der, nach dem großen Falle zu, kühn auf der Felsenkante, über welche die Wasser hinabstürzen, errichtet ist. Da stehst du Aug in Aug mit dem Strom, du schwebst über dem Katarakt. Die Situation ist unbeschreiblich, und unbeschreiblich das Gefühl, das dich packt. Ein tiefes menschliches Interesse spricht zu dir aus dem feierlichen Wallen des Stroms, wie er dem Absturz sich naht, es ergreift dich wie eine Tragödie. Du siehst das Bild eines Helden, der ruhig und unaufhaltsam in sein Verhängniß geht. Aber verfolge ihn weiter, – bis zur Katastrophe; sieh ihn hinabtauchen in den unsichtbaren Abgrund, und erkenne auch in dem Regenbogen, der über der Tiefe schwebt, ein Symbol glorreicher Auferstehung. Wasser, das freundliche bewegliche Element, ist nicht allein das Bild des Lebens, sondern auch dessen, was dem Leben erst Werth verleiht – der Freiheit. Daher wird es jeder sinnvolle Amerikaner als eine besondere Gunst der Natur ansehen, daß gerade im Herzen seines Vaterlandes der mächtigste und prächtigste Katarakt der Erde stürzt und donnert.

Unterhalb der Fälle bildet das Strombett ein weites Tiefthal, in welchem die ganze Wassermasse etwa 5 Meilen weit fortschießt, rauschend und schäumend mit starkem Gefäll bis zum Wirbelpfuhl (Whirlpool). Das Felsgestade zu beiden Seiten bilden jähe Abstürze, hier zerklüftet, dort ausgewaschen; häufig ragt und hängt das Gestein in allerlei Platten und Zacken hoch über dem Strombett. Ueber der dunkeln Felsschlucht hängt, anderthalb Meilen unterhalb der Fälle, leicht und zierlich eine Drahtbrücke in einer Höhe von 230 Fuß über dem Wasser und mit 800 Fuß Spannung. Vor dem Wirbelpfuhl scheint unter dem Wasser das letzte Riff zu sein, über welches die Fluth fällt, um in einem ungeheuern Kessel in tausend Wirbeln umherzukreisen. Aus diesem fließt dann der Strom ruhig und glatt in verhältnißmäßig niedern Ufern hinab bis zum hellen Seespiegel des Ontario.