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Ein braver Mann, dem einst das Schreiben untersagt war, weil er für das Volk schrieb, erzählt in seiner „Geschichte für alle Völker“: „In dem Mittelpunkt der hohen Alpen, wo die Grenzmarken der Germanischen und Gallischen Länder gegen Italien sind, wo die Quellen der mächtigsten Flüsse Europa’s springen und in unzugänglichen Felsenthälern grüne Triften mit Todesgefilden zusammenstoßen: da erwählte sich die vor den Gewaltigen des Erdtheils flüchtende Freiheit eine verborgene Zufluchtsstätte. Der wichtigste Punkt von Europa, die unbezwingliche Naturfeste, von welcher aus, wenn ein Herrscher Italiens, Deutschlands oder Frankreichs sie als eigen besessen hätte, leicht alle Völker umher wären erschreckt und gefesselt worden, die Kernmasse des Alpengebirgs sollte frei, selbstständig und die schirmende Scheidungslinie sein zwischen den Hauptnationen und großen Mächten der Erde.“

In diesen wenigen Worten ist die hohe Weltbedeutung des freien Schweizerbundes ausgesprochen. Denn eine Weltbedeutung hat die Schweizer-Eidgenossenschaft in zweierlei Hinsicht: erstens wegen ihrer centralen Lage zwischen und ihrer Zusammensetzung aus jenen drei Nationen, von denen jede in der Weltgeschichte einzelne Blätter voll eines Glanzes besitzt, der über die Erde strahlte. Italiens Kunst und Papstthum, Deutschlands Kaisermacht und Wissenschaft, Frankreichs Tapferkeit und Geschmacksgewalt übten einst oder üben noch ihre Herrschaft über alle Völker europäischer Kultur aus; denn jede der drei Nationen stand schon einmal in der Blüthenpracht ihres eigenen Wesens. Betrachten wir, zweitens, ihre innere Entwickelung, das im schweren Kampf der Vergangenheit für die Gegenwart Errungene und das staatliche Bild dieser Gegenwart im freien Alpenlande, so tröstet uns für unser und vieler anderer Nationen Mißgeschick der Gedanke, daß die Geschichte Lehrvölker aufgestellt hat, von deren Beispiele die anderen lernen sollen. Solche Lehrvölker der Geschichte sind die alten Griechen und die Schweizer: sie gingen den Weg zur Freiheit für alle Völker voran, die ihnen zu folgen den Geist und den Muth haben, und darum öffneten sie in der That der Freiheit eine Gasse!

Diese hohe Bestimmung der Schweiz ist allerdings von dem Schweizervolke selbst am spätesten erkannt worden. Auch dort ging das in seiner Einfachheit erst so großartige freie Volksleben unter den gebrochenen Herrenschlössern in eine Verkünstelung kleinlicher Herrenschaft über, oder es wucherte vielmehr das alte Unkraut der aristokratischen und reichsfreien Vielherrschaft unter dem deutschen Kaiserthume in der Mißgestalt republikanischer Oligarchie in jedem der kleinen Staaten und Gemeinden des Bundes empor. Seiner Abhängigkeit vom deutschen Reiche, der Lehensverfassung und dem Faustrechte hatte nämlich die Schweiz jene „bunte Zerstückelung in vielgestaltige geistliche und weltliche Herrschaften, Stadtgemeinden, mittelbare und unmittelbare Hoheitsbezirke“ u. dergl. zu verdanken, ferner jene mannichfaltige Mischung von Reichs- und Provinzverhältnissen, nach Gebieten, Rechten, Ansprüchen und Freiheiten der Gemeinden, Familien, Landschaften, Aebte, Bischöfe und königlichen Statthalter, durch welche Helvetien vielgetheilter und vielherrischer, als jedes andere Reichsland, geworden war.