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Der Drachenfels am Rhein.




„Am Rhein!“ – Ob links, ob rechts am Ufer, daß deutsche Herz pocht lauter, so oft es heißt: „am Rhein!“ Mit dem Rhein ist des Deutschen Herz zusammengewachsen, er ist die Liebe, die Sehnsucht, die Freude und der Stolz der Nation, – und der Quell dieser unbegrenzten Zuneigung liegt tiefer, als auf der Oberfläche der schönen Landschaftsbilder, die seine Gestade schmücken. Auch von den übrigen deutschen Strömen ist keiner, der ganz von landschaftlichen Reizen geflohen wäre, ja einzelne, wie Donau, Main, Elbe und deren Nebenflüsse prangen mit viel besuchten und bewunderten Bilderreihen, aber nur die Bewohner ihrer Gebiete, ihre einheimische Umgebung nennen sie ihr eigen und sind stolz auf sie: der Rhein allein ist das Herzensgut aller Deutschen, das beweist der Schatz von Liedern, mit dem die Nation ihren Liebling preist, das beweist noch mehr die geschichtliche Thatsache, daß einig die Deutschen stets am raschesten wurden, wenn der Rhein, Deutschlands Strom, bedroht war.

Um kein anderes Gestade ist so viel deutsches Blut geflossen, wie um das des Rheins, seitdem es jenseits der Vogesen zur Manie geworden, die französischen Grenzpfähle in der Mitte des Rheinbettes zu suchen. Vor den Zeiten Ludwigs XIV. und des dreißigjährigen Kriegs galt der deutsche Strom als ein ungefährdetes Kleinod des Reichs, hielt doch der Kaiser mit Straßburg den Schlüssel zum Rheinthor in fester Hand. Aus jenen Tagen klingen auch die Rheinlieder offenbar harmloser. Erst dem bedrohten Rhein wandte die Nation sich mit einem Gemeingefühle zu, dessen man sie kaum noch für fähig hielt: sie fand sich wieder in der gemeinsamen Sorge um einen großen vaterländischen Verlust. Die nationale Erkenntniß der natürlichen Zusammengehörigkeit der alten staatskünstlich getrennten Reichsglieder entsprang aus der Gefahr, die den Rhein bedrohte, und gleichzeitig quoll aus dem Volksherzen die romantische Liebe zum Rhein mit frischer Kraft. Und jeder scheele Blick Frankreichs machte in ganz Deutschland den alten Zorn auflodern um die Schmach, daß trotz 1813, 14 und 15 die Fluthen des deutschen Rhein noch immer welsches Land bespülten, fester und fester wurzelte die Ueberzeugung, daß keine Sicherheit um Deutschlands Macht und Friede sei, bis Arndts Wort sich erfülle: „Der Rhein ist Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze.“

Wenn wir aber dennoch mit wachen Augen erkennen müssen, daß in deutschen Landen offene Feinde deutscher Vaterlandsliebe ihre gräflichen Häupter auf den Schultern tragen, und offener Verrath am Vaterland von solchen gezettelt wird, die berufen sind, über des Vaterlandes Sicherheit zu wachen; wenn die Nation wieder einmal