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erfahren muß, daß man da, wo man vor zwanzig Jahren am lautesten „Sie sollen ihn nicht haben etc.“ singen ließ, jetzt Mißtrauen und Verfolgungssucht gegen Männer nährt, deren Verbrechen abermals darin besteht, Deutschland einig, groß und stark zu wollen; wenn man noch heute nicht zu der Einsicht fähig ist, daß der Bestand der deutschen Nation wichtiger ist als Alles, was sonst noch innerhalb der Nation Bestand hat; wenn endlich vor der erschreckenden Nähe und Wucht der Gefahr die Diskussion über den Schutz der Grenze von einem grünen Tische zum andern getragen wird, während das alte Mainz, das wehrlose Bollwerk Deutschlands, der letzte Schlüssel des Rheins, in süßem Friedensschlummer rostet – da ist’s wohl erklärlich, warum in Unmuth und Sorge des ganzen Volkes Blick und Herz sich wiederum nach dem Rhein wenden.

Jedes Rheinbild ist jest ein beredter Sprecher für nationales Bewußtsein und von jedem Ufer unseres Stromes dringt uns eine Fülle deutschen Geistes, eine Innigkeit deutschen Gemüths entgegen, im Leben des Volks, in seinen Sagen, seinen Liedern, in seiner Arbeit, seiner Lust und seiner Klage. Unser Bild führt uns in das Paradies des ganzen Rheingebiets, zum Siebengebirge und seinem gefeiertsten Felsenkranze. Zwischen Bonn und Unkel sammelt jeder Rheinreisende seine herrlichsten Erinnerungsschätze, das Auge schwimmt in einer beständigen Wonne des Schauens; da, wo das Siebengebirge mit seinen Felswänden an den Strom herantritt, sammelt der sonst alpenrüstige rasche Strom seine grünen Wasser zum klaren stillen sinnigen See, als ging es ihm recht schwer an, von dieser Stätte zu scheiden; hier sann und sang ein Dichter:

     „Der burggekrönte Drachenfels
Ragt hoch am vielgewundnen Rheine,
     Es spült die Fluth des mächtigen Quells
Um weinumrankte Felsgesteine;
     Die Hügel all im Blüthenglanz,
Die Felder reich an Korn und Weine,
     Die Städte rings im bunten Kranz
Mit ihrer Mauern weißem Scheine:
     Dies Alles eint zum Bild sich hier,
Ach, doppelt schön, wärst du bei mir!

     Wie stolz der Fluß hier schäumt und rollt,
Welch Reiz auf diesem Zaubergrunde!
     Denn, tausendfach sich schlingend, zollt
Er neue Schönheit jeder Stunde!
     Ach, könnt’ ich immer leben hier!
Klingt seufzend es aus jedem Munde;
     So theuer der Natur und mir
Ist wohl kein Ort in weiter Runde:
     Doch glänzte mehr der Strand des Rheins,
Ach, säh dein liebes Aug’ in meins!

Für den zu Berg Fahrenden ist der Drachenfels mit dem schräg gegenüberliegenden Godesberg das malerische Thor der schönen Rheingegenden, – so sagt Simrock, der Dichter und Sagensänger des Rheins.

Die sieben Bergzinnen, welche dem Siebengebirge den Namen geben, sind bekanntlich der Nieder- oder Nonnenstromberg, der Himmerich, der Oelberg, der Löwenberg mit der Löwenburg, der Wolkenberg mit der Wolkenburg, der Strom- oder Petersberg und der Drachenfels mit seinen Burgtrümmern, der zu einer Höhe von 1473 Fuß angegeben wird.