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Von diesen Sieben ist der Drachenfels der besuchteste. Sein Panorama ist, gerade seiner geringen Höhe wegen, durchaus malerisch schön. Für den rechten Genuß der reizenden Inseln, welche hier der Rhein umschließt, der vielfachen Windungen, mit welchen er in der blühenden Ebene zwischen Bonn und Köln dem Blick entschlüpft, für die Betrachtung der Dampf- und Segelschiffe, welche uns wie Kähne, und der Kähne, die uns wie Nußschalen vorkommen, ist dieser Standpunkt der geeignetste. Noch geeigneter ist er, um in die deutsche Sagen- und Heldenzeit zurückzuschauen. Dahin führt schon sein Name und seine Umgebung. Nach der ältesten Sage war es der berühmte Held Siegfried, König im Niederlande, welcher sich mit dem hiesigen Drachen in Händel einließ; anders ist die spätere christliche Auffassung, welche neuerdings erst durch einen Bauersmann aus Honnef einen praktischen Abschluß erhalten hat. Nach seiner Meinung fiel der Drache des Berges so lange alle vorüberfahrenden Schiffe an, bis endlich einmal ein Boot voll Pulver daher schwamm, das, vom Feuerathem des Drachen entzündet, ihn zerschmetterte. Der Untergang des Ritter-, insbesondere des Raubritterthums durch die Schießwaffen, hat somit ebenfalls seine Sagengestaltung am Rhein erhalten.

Noch bedeutender tritt die deutsche Heldensage hier auf. Der zweite große Held unserer epischen Lieder, Dietrich von Bern, verrichtet hier glänzende Thaten: er bestand hier den Kampf mit Herrn Eck und seinen Brüdern Fasolt und Ebenrot, die es mit den neun Königinnen vom Grippigenland hielten. Diese wohnten auf der Drachenburg. Das deutsche Heldenbuch erzählt ihr Schicksal in dem Gedichte: Ecken Ausfahrt. Wir erkennen hier die riesigen Gestalten der Nibelungenwelt wieder, denn: „nachdem Dietrich Ecken im Zweikampf getödtet und seine Rüstung angelegt hatte, stürmt er, das Haupt des Erschlagenen in der Hand, den Drachenfels hinan, dessen Weinterrassen ihm als Stiegen dienen.“ Welch Bild eines Kecken, der über solche Felsentreppe schreitet! Und wie herrlich steht diese Kraft der Dichtung den Burgen des Rheins! Die germanische Phantasie schwelgte hier in ihrer liebsten Luft.

An die Drachensage erinnert ferner noch am Drachenfels das Drachenblut und das Drachenloch. Jenes ist der köstliche Wein, der Bleichart, der in der Domkaule wächst, welche unter den aufstarrenden, zackigen, vielfach zerklüfteten Trachytporphyrmassen, die gleich Schilden die südliche Seite des Drachenfelsen decken, den Raum zeigt, wo man die Steine zum großen Dom in Köln gebrochen hat. Und wer in ein Glas voll dieses Weins in der Christnacht die Rose von Jericho stellt, wenn noch so welk und dürr und mit gesenkter staubiger Krone, der wird sehen, was unser Freiligrath sah:

In dunkler Röthe lodert sie und flammt
Wie sie geflammt auf ihrer Heimath Triften,
Und um der Blätter königlichen Sammt
Weht als ein Opfer ihrer Krone Düften.