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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Das Drachenloch ist eine Felsenhöhle und war wohl lange der Schrecken der Wanderer, bis die Steinbrecher des Dombaues sie mit dem Rauche ihrer friedlichen Feuer schwärzten. So mußte auch dieses Stück Romantik aus dem Siebengebirge entweichen. Aber ein schönes Volkslied bewahren sich diese Berge noch bis heute; es ist der nachbarlichen Löwenburg eigen:
Verstohlen geht der Mond herauf,
Durch Silberwölkchen geht sein Lauf.
Er steigt die blaue Luft hindurch,
Bis daß er schaut auf Löwenburg.
O schaue Mond durch’s Fensterlein,
Schön Trude lock mit deinem Schein.
Und siehst du mich und stehst du Sie,
Zwei treure Herzen sahst du nie.
So innig und sinnig liebt man am Rhein! – Ja, den ganzen theuren Strom entlang ist jede Regung der Natur und der Menschen deutsch, und um so lebhafter begrüßen wir auf dieser Felshöhe ein Denkmal, das von dem letzten Kampfe um diesen Liebling der Nation zeugt: dort ragt die Pyramide empor, welche an den Rheinübergang von 1814 erinnert und dankbar der Landwehrmänner gedenkt, welche in jener für Deutschlands Geschichte ewig geweiheten Neujahrnacht ihren Tod fanden.
Das heutige Geschlecht wird hinter den Kämpfern jener Befreiungsjahre nicht zurückstehen: es fühlt sich stark wie sie und wird, der Alten würdig, sein Kriegsfeld behaupten, wenn abermals der alte Wahn die Welschen bethören sollte, die Grenzen ihres Reichs über die Häupter von vier Millionen Deutschen hinweg nach dem Rhein verlegen zu wollen.
Wir sind seit jenen Befreiungskriegen durch zwei Revolutionen und drei Reaktionen gegangen, eine harte Schule, aber wir haben Etwas gelernt. Wir wissen, daß in der letzten Stunde der Gefahr das Werk unserer Widersacher, das im trägen Frieden wie Unkraut das Volkswohl überwuchert hat, zu Schanden werden muß, daß der Geist der Nation es ist, der dann zu Hülfe gerufen wird, und daß nur Dem das deutsche Führeramt gebührt, der diesem Geiste huldigt. Wie mächtig aber dieser Geist schon jetzt in der Nation lebt, das ist ausgesprochen so mannhaft, als es je in Deutschland geschah, die Nation hat sich wieder gefunden, sie grüßt sich wieder in ihren schönsten Festen, sie führt die entferntesten Söhne zusammen, die schroffsten Familienglieder reichen sich die Hand und lernen sich vertragen, lernen sich lieben, ja, – wiedergefunden hat sich die Nation, und sie wird sich nicht wieder verlieren. Und
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/165&oldid=- (Version vom 18.1.2026)