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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Nirgends im Süden unsres Vaterlandes geht’s der Freude am Dasein so schlecht, als in Tirol! Von Thal zu Thal verfolgt sie der trübe finstere Geist, der in seinem blinden Antagonismus gegen alle „Weltlust“ die beste Nahrungskraft der Seele aus den Herzen der Menschen reißt, und was diesem finstern Geiste entgeht, das ächzt unter dem allgemeinen Drucke, unter welchem in dem ganzen großen Oesterreich nun einmal kein rechter Mann des Lebens froh werden kann.
Diese Thatsache ist nicht das Werk eigenen Verschuldens; sie ist ein Unglück, dessen Spuren in der Geschichte des Landes nicht weiter zurückreichen, als seine lebendige Erinnerung.
Wie jedes Land, das sich herabgekommen fühlt, spricht auch Tirol von seiner guten alten Zeit und verlegt diese in das vorige Jahrhundert. In dieses zieht es auch die Herrlichkeiten früherer Tage mit herein und erhöht mit ihnen den schon in der Wahrheit liegenden Glanz jener Vergangenheit, der vorzugsweise fürstlichen Ursprungs war. Glanz und Glück wohnten allerdings geraume Zeit mit einander in Tirol. Habsburgische Erzherzoge hielten prächtig Hof in Innsbruck, Bergwerke und lebhafter Zwischenhandel machten reiche Leute zwischen den Bergen, andere Tiroler holten ihren Wohlstand „draußen im Reich“ und weiter, sei’s wie die Imster, durch Kanarienvögel, oder wie die Tesineser durch Heiligenbilder, die Märkte zu Bozen und Hall blühten, und die Stände hatten noch ein gewichtiges Wort zu reden in allen öffentlichen Angelegenheiten der gefürsteten Grafschaft. Damals hieß es „ein stolzes Leben im Ländl.“
Dieses Glück stieg bergab, noch ehe das Jahrhundert geschieden war, aber nicht so steil, als seit dem weltberühmten Erhebungsjahre, seit „Anno Neun.“
Wer heute auf der Wanderung zwischen den Bergen bei älteren Leuten sich nach jener Zeit erkundigt, in der Hoffnung, ein Paar Worte voll tirolischen Selbstgefühls aus gehobener Brust und mit leuchtenden Augen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 159. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/169&oldid=- (Version vom 19.1.2026)