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Mitten in diesem Durcheinander von Herrschaften vermochten sich aber gerade die reichsfreien Städte, Flecken und Dörfer am sichersten, wenn auch unter unaufhörlichen Kämpfen, zu entwickeln, um endlich kampfgestärkt den Feuern zu folgen, welche die Waldstädte Schwyz, Uri und Unterwalden, als die rechte Zeit gekommen war, der Freiheit auf ihren Bergen leuchten ließen.

Ueber ein halbes Jahrtausend ist seitdem verflossen, aus allen Stürmen des Erdtheils hat die Schweiz ihre Unabhängigkeit gerettet, aber des Volkes innere Freiheit lag mehr als einmal tiefer, als in allen Nachbarländern, darnieder.

Der Verfall des freien Volkslebens in der Schweiz ging mit dem Schicksale des Staatslebens in ihren großen Nachbarländern Hand in Hand, weil die kleinen Tyrannen der Kantone nur in den großen jenseits der Schweizergrenze ihre Stützen fanden. Die vorherrschenden nachbarlichen Geschenke waren: aus Italien das Pfaffenthum, aus Deutschland das Judenthum und aus Frankreich Beides oder die Revolutionen. Diese fremden Einflüsse fraßen am gierigsten an den Wurzeln des verhaßten Freiheitsbaums, und sie waren es auch, welche den Parteikämpfen in der Schweiz ihre ätzende Schärfe und Bitterkeit verliehen. Es rief hier wirklich nur gar zu oft der Verrath fremde Hülfe an, um der rücksichtslosesten Selbstsucht den Sieg über Volksrechte und Nationalehre zu sichern. Und um so schwerer war der Kampf, je weniger diese beiden Güter bei den Nachbarn galten. Die Schweiz konnte nicht allein frei sein zwischen unfreien Staaten; aber das Streben der Nachbarn nach Freiheit genügte schon, um die Schweiz in der That frei zu machen. Erst nachdem die fremden Stützen der kleinen Gewalthaber gebrochen waren, ward die Gasse wieder frei. Und so liegt die Schweiz jetzt vor uns als ein beneidenswerthes Stückchen Erde, wo der wahre Mann seinen Hut allezeit auf dem Kopfe tragen kann, während wir ringsumher Geßlers Hut noch auf hundert Stangen aufgesteckt und von Tausenden barhaupt verehrt sehen.

Darum können wir das Bild vor uns nur mit inniger Theilnahme betrachten, wir können nur wünschen, daß die Männer, welche in diesem Palaste über des Schweizervolkes Gesetze wachen, immerdar mit dem Glück scharfer Augen und fester Herzen gesegnet seien, daß jeder Blick aus den Fenstern dieser Volksburg sie mahne an die Größe ihrer Pflicht für Gegenwart und Zukunft, eingedenk des Wortes unseres Rotteck: „Die Schweizer Freiheit ist weder streng eigenes Besitzthum der Eidgenossenschaft, noch die Wirkung eines persönlichen Verdienstes, sondern sie ist mehr: sie ist ein Geschenk der Natur, eine Wohlthat des Schicksals und ein gemein-europäisches Gut.“