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aussprechen zu hören, dem wird eine Täuschung widerfahren. Trüben Blicks, mißmuthig gebeugt, spricht man über Tage und Männer, die uns anderen Deutschen noch heute von der Glorie nationalen Märtyrerthums umflossen erscheinen, ja man grollt dort der großen Erhebung, wie dem Ausbruche sammt allen Folgen einer großen Thorheit.

Die Treue, mit welcher die Tiroler zum österreichischen Kaiserhause hielten, ist sprüchwörtlich geworden, sie tritt mit fast rührender Erhabenheit in des Landes Geschichte auf. Es ist nicht bloß dichterische Phrase: „das treue Land Tirol.“ Diese Treue entzündete auch die Kriegsflamme von „Anno Neun“, sie hielt die Fahne am Berg Isel und stürzte die Leichen von Tausenden, Franzosen, Bayern, Sachsen und anderen Dienstpflichtigen Napoleons, in die Abgründe. Die Geschichte kann sich von dem Schmollen der Gegenwart über jene Zeit nicht beirren lassen, sie wird den Lorbeer der Helden rein erhalten. Der Schmutz der Folgen fällt auf andere Häupter.

Hätte aber auch nicht die Treue in Tirol die Stutzen von der Wand gerufen, so würde es die ungeschickte Weise gethan haben, mit welcher Bayern von dem Lande Besitz genommen. Der gute Wille des Königs Maximilian stand gedruckt und geschrieben auf dem Papier, aber wie führten seine Beamten und Offiziere ihn aus! Anstatt die durch den aufgezwungenen Herrenwechsel tief verletzten Gemüther versöhnlich zu behandeln, verfuhr die Brutalität wie in einem feindlich eroberten Land, und selbst wo die bayerische Regierung Akte wahrhafter Wohlthaten für das Volk anordnete, verwandelte die Rohheit der Ausführung sie in ihr Gegentheil. Man wollte jesuitische Finsterniß ausrotten, riß deshalb die für überzählig erklärten Heiligenkapellen und Kruzifixe nieder – und verkaufte das durch den Glauben geweihete Trümmerwerk an die Juden. Man führte das Impfen ein, aber nicht, indem man mit beruhigender Belehrung voranging, sondern indem man die Kinder den Müttern mit Gewalt entriß. Man führte die Konskription ein mit noch viel gewaltsameren Maßregeln; durfte doch ein Oberst Dittfurt sich öffentlich vermessen: „daß er mit seinem Regiment allein das ganze Tiroler Lumpenvolk in Unterwürfigkeit erhalten wolle.“ Eine vereinfachte und bessere Justiz und Verwaltung würde wohl wenig Widerstand gefunden haben, wenn nicht das altbayerische Landrichterthum die Zugabe gewesen wäre. Wo möglich noch verhaßter wußten sich die Rentbeamten bei der Einführung des neuen Steuersystems zumachen; ein solcher scheute sich nicht, laut zu drohen: „er wolle die Tiroler so aussaugen, daß sie zuletzt Heu fressen müßten“, – und es war sicherlich, nach dem Siege der Tiroler, eine gelinde Strafe für ihn, daß er im Angesicht der triumphirenden Bauern ein Büschel Heu als Mittagsmahl verzehren mußte. Endlich, um das Maß des Unrechts und der Kränkung voll zu machen, wurde, gegen das königliche Versprechen, der Tiroler Landtag aufgehoben und endlich sogar der Name Tirols von der Völkerkarte ausgetilgt, das Land „Südbayern“ genannt und, um den kräftigsten Trumpf auf diese Verhöhnung des Volksgefühls zu setzen, das Stammschloß Tirol an den Meistbietenden verkauft. Hätte die bayerische Regierung die Absicht gehegt, das Herz des Volks im höchsten Grade gegen sich zu erbittern und es