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mit allem Zündstoff einer Rebellion anzufüllen, so konnte sie die Maßregeln dazu nicht sinniger treffen, als dies ihren Dienern bei der Ausführung der königlichen Regierungsbefehle gelang.

Da kam das Jahr 1809, und die Rachesaat trug ihre Ernte. Das Tiroler Trauerspiel ist unsern Lesern bekannt, es hat unter Dichtern und Geschichtschreibern seine verherrlichenden Männer gefunden. So großartig das Schlachtfeld, so großartig waren die Heldenthaten des Bergvolks, bis Beides, Land und Volk, dem Interesse der „höheren“ Politik zum Opfer gebracht wurden, denn nie hat diese höhere Politik sich der niedrigsten Streiche geschämt, wenn dadurch die Folgen einer Verkehrtheit unschädlicher gemacht werden konnten, oder, wie man in preßfreien Ländern sich ausdrückt: wenn eine höhere Dummheit durch eine diplomatische Schlechtigkeit zu verdecken war.

Der Verlauf des Kriegs hat neben einer Reihe ewig denkwürdiger Thaten eine noch längere Reihe von Unmenschlichkeiten aufgestellt; mit dem Wüthen der Bayern gegen die Tiroler kann in neuerer Zeit nur das der Türken gegen die Griechen sich messen. So oft die Bayern siegten, ging ihr soldatisches Kämpfen in Zertrümmern, Vernichten und Morden aus thierischer Gier über. Feuer und Blut bezeichnete ihre Bahn. Auf Napoleons Befehl behandelte man die tapfern Tiroler Bauern als Räuber; Chefs de brigands hieß man ihre Anführer. Hunderte wurden an Bäume gehenkt und vielen Anderen die Hand auf den Kopf genagelt. So grausam zeigten sich die Tiroler nie, wie denn überhaupt das Volk in seinem Zusammenwirken sich immer edler beweist, als die geborenen Herren. Dagegen lag es in der Erbitterung, wie in dem neckischen Charakter der Tiroler, daß sie die Wuth der Bayern, die durch die vielen Verluste schon hinlänglich gereizt war, noch erhöheten. Dies entschuldigt jedoch höchstens den gemeinen Mann, nicht die dem entsprechende Aufführung der Offiziere und gar der Befehlshaber, und deshalb mag der Lorbeerkranz auf der Wrede-Statue in der münchener Feldherrenhalle noch so hell im Sonnenlicht des eitlen Ruhmes glänzen, das Blatt für seine Heldenthaten in Tirol bleibt ewig schwarz.

Nach dem großen Jahre kam, wie wir oben sagten, „der Schmutz der Folgen“, oder, wie Ludwig Steub sagt: „es endete über zerknickten Hoffnungen, gebrochenen Herzen und beweinten Leichen.“ Ein Theil Tirols ward wieder bayerisch und bildete nun den Innkreis. Die Regierung that jetzt vernünftigere, menschlichere Schritte, sie legte sich nicht wieder allein auf’s Abzapfen in einem Lande, das aus tausend Wunden blutete. Der damalige Oberkommandant des Inn- und Salzachkreises, der Kronprinz (König Ludwig) mit seiner schönen Gemahlin suchten mit demselben Eifer Versöhnung und Liebe im Volke zu verbreiten, mit welchem Freiherr von Lerchenfeld des Landes Verwaltung leitete. Der an sich natürliche Zusammenhang Tirols mit Bayern, der durch die gegenseitigen Bedürfnisse geradezu bedingt ist, würde durch die Macht der Interessen und der Gewohnheit befestigt worden sein, wenn die abermalige Scheidung nicht zu bald gekommen wäre und wenn man dem Lande und