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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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diesem Grundsatze, den die erleuchtete Staatsweisheit aller früheren Regenten und Staatsmänner anerkannt, den die Geschichte so vieler Jahrhunderte und ganz vorzüglich die neueste Zeit als unwidersprechlich bewährt habe, die alte tirolische Verfassung beruhe“, – man predigte in Wien tauben Ohren. Es blieb dem Lande kein anderer Trost, als das mit den andern Provinzen gemeinsame Schicksal, und die böhmische Klage: „Oesterreich braucht zu viel!“ – Die Steuern wuchsen, wie überall, mit dem Staatsbedürfniß. Zu den vielen alten Gefällen kam 1818 der (früher von Tirol abgelöste) Papierstempel, eine Erwerbs- nebst einer Klassen- und Personalsteuer, 1821 das Tabaksmonopol, 1829 für die Klassen- und Personal wieder eine allgemeine Verzehrungssteuer u. s.w. Außerdem blieb es den Gemeinden überlassen, die Kriegsschulden für das Jahr 1809 selbst zu bezahlen, und schließlich stieß die Weinausfuhr Südtirols nach Bayern fortan wieder an hohe Zollschranken.
Wer sich zwischen die grollenden Tiroler Landleute dieser Zeit noch das zahlreiche Personal der „Finanzler“ (Gefällaufseher) zu denken vermag, dem wird es klar werden, wie im ganzen Lande das „Jahr Neun“ um allen schönen Glanz kommen konnte. „Um wie viel sind wir nun besser daran, als Anno Acht?“, so hörtest du fragen, und als einst ein Junger das viele umsonst vergossene Blut beklagte, brummte ein Alter: „O, laßt das Blut, – aber die Kosten!“ – Das ist allgemeine Volksstimmung geworden, und sie gilt auch von den Städtern und „Herren“, nur von letzteren in der Beziehung, daß sie froh sind, von dem „Bauerntrubel“, der sie seiner Zeit so sehr gestört hat, nun gar nichts mehr zu hören. Es wird sich nun auch Niemand wundern, daß die jährlichen Sitzungseröffnungen des landschaftlichen Ausschußkongresses schließlich nur noch ein Schauspiel für die Kinder in Innsbruck abgab. Und als das Volk sich nach fast zwanzig Jahren zum ersten Male um den Kongreß bekümmerte, ein öffentliches Anliegen im Ständesaal zur Berathung kam, geschah dies weder zum Glück noch zur Ehre für Tirol.
Trotz des sechszehnten Artikels der deutschen Bundesakte und trotzdem Oesterreich das Präsidium des Bundestags führt und Tirol offiziell zu den österreichischen Staaten des deutschen Bundes gezählt wird, sollte die dort verheißene Glaubensfreiheit hier ihre Ausnahme finden. – Im Zillerthale gab es einige versteckte Dörfer, in welchen das Lutherthum sich in etwa hundert Familien insgeheim ausgebildet und forterhalten hatte. Diese trugen Verlangen nach einem Seelenhirten ihres Glaubens; – und Das war die ungeheuere Erscheinung, welche plötzlich den Landtagskongreß aus dem langen Schlaf erweckte. Denn eben weil sogar Kaiser Franz im Jahre 1832 bei abermaliger Anwesenheit in Innsbruck den Zillerthalern Das versprochen hatte, was ihr Recht war, religiöse Duldung, oder vielmehr Schutz ihres Glaubens innerhalb ihrer Heimath, so war der einzige wirklich geschehene Rückschritt zur guten alten Zeit bedroht. Fand sich nun auch im Landtage für die Zillerthaler ein warmer Vertreter in dem edlen Bürgermeister Maurer von Innsbruck, so erlag er doch dem Gegner derselben, dem Herrn
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/175&oldid=- (Version vom 19.1.2026)