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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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In der Staatskunst wie in der Baukunst bewährt sich als das Beste und das Dauerndste nur – das Nationale. Beide Künste kehrten nach den mannichfachsten Abschweifungen immer wieder zum Nationalen zurück; an ihm erkennen sich die getrenntesten Glieder großer Völkerstämme wieder, und nach ihm drängen sie aus der längsten Geschiedenheit wieder hin, wenn sie an der Hand der Erfahrung und der Bildung zu der Einsicht gelangt sind, daß nur in ihrem eigenen geläuterten Wesen ihr Heil zu finden sei.
Dauer kann auch nur im Nationalen sein, weil dieses selbst nicht ein Werk der Menschen, sondern der Natur ist, und so lehrt uns auch die Geschichte, daß überall, wo ein Staat den Stürmen von Jahrhunderten Trotz bot, Bauriß, Steine und Kitt von nationaler Art waren. Daß aber jede ausgeprägte Nationalität ihre geistige Eigenthümlichkeit am reinsten in ihren öffentlichen Bauwerken verkörpert zeigt, ist ja allbekannt.
Bleiben wir zunächst bei unserem politischen Bilde. Es wird uns über die wahrscheinliche Zukunft unseres Gegenstandes die beste Auskunft geben, wenn wir Angesichts desselben das gewöhnliche Schicksal der Nationalität und der Nationen betrachten.
Am Anfang zeigt sich uns überall die Pflege des Beschränkten, die Ausbildung im Kleinen. Die einzelnen Völkerschaften regen ihre Glieder, versuchen ihre Kraft an jedem ersten besten Gegner und balgen sich wie muthige Jungen am liebsten mit Ihresgleichen. In dieser Zeit prägen sich die Eigenthümlichkeiten der Völkerschaften aus, welche zusammen den Charakter der Nation darstellen. Das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit derselben wird nur durch die Verwandtschaft der Sprache erhalten, und diese hindert nicht, daß die Händelsucht sich austobt von der Schlägerei bis zum Bürgerkrieg. Das Gefühl der brüderlichen Verbindung, der Blutsgemeinschaft aller Glieder einer Nation erwacht erst vor einer großen gemeinsamen Gefahr.
Die Völker allein sind nicht eroberungslustig, sie werden es erst durch ihre Führer. Innerhalb jeder Nationalität wüthet der Kampf um Erweiterung der Herrschaft erst, nachdem Dynasten sich an die Spitze der einzelnen Völkerschaften geschwungen. Da beginnt das Regiment der Herrschsucht und mit ihm die Blüthezeit aller ungezähmten Leidenschaften des selbstherrischen Willens. Hier öffnen sich die reichsten Fundgruben für die Poesie der Romantik, Volks- und Heldenlieder haben da ihre meisten Quellen. Diese Zeit innerer dynastischer Kämpfe
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/186&oldid=- (Version vom 20.1.2026)