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ist entscheidend für die Zukunft der meisten Nationen: zeigen sich die einzelnen Völker einander gewachsen an Macht, ist ihre Entwickelung eine ebenmäßige gewesen, so erstarken in diesen Kämpfen auch die Keime freien Bürgerthums; wirft aber eine Dynastie und ein Volksstamm die anderen Völker und Herren zu Boden, so ist wohl für die einheitliche Machtentfaltung gesorgt, die bürgerliche Freiheit dagegen findet einen um so härteren Stand, denn die Dynastie erobert nicht bloß, sie unterdrückt auch.

Sie unterdrückt aber in der Regel doppelt, politisch und moralisch. Denn überall, wo mächtige Höfe ihren Glanz entwickelten, umgaben sie sich mit einem Adel, der politisch sich vom Volk lostrennte, moralisch zum gefährlichsten Feind seiner Wohlfahrt wurde. Hof und Adel hörten auf, national zu sein. Durch den Hof ward das Fremde gepflegt und durch den Adel dem Volke aufgedrungen.

Es ist dies die Prüfungszeit der Nationalitäten, die allen gesunden und innerlich bereits kräftig entwickelten Nationen dennoch zum Heil gereicht, so betrübend sie in der Geschichte sich auch ausnimmt; denn Druck nach innen und Hohn von außen sind die besten Erwecker des nationalen Bewußtseins.

Dieser Gang des Schicksals zieht sich durch die Geschichte aller Nationen und ist bei vielen noch nicht beendet. Der Geist der Nationalität steht siegreich da in England und Frankreich, er trägt die Fahne zum Kampf voran in Italien, er ringt in Ungarn nach Anerkennung vor der Welt, er rüttelt an den Ketten in Schleswig und Polen, stürmt mit dem griechischen Kreuze des Slaventhums gegen die Pforte der Osmanen und läßt selbst Irland nicht zur Ruhe kommen.

Ein anderer ist dieser Kampf in Deutschland und wieder ein anderer in Rußland. – In Deutschland beginnt er mit der Reformation. Der germanische Geist empörte sich zuerst gegen die kirchliche Knechtung durch Rom. Luther zerbrach die geweiheten Ketten, und Melanchthon sprach den großen Gedanken einer deutschen Kirche aus. Die durch die Gemeinschaft mit Rom antinational gewordenen Kaiser zerrissen das Band geistiger Nationaleinheit der Deutschen, führten den dreißigjährigen Krieg herbei und vernichteten in dem unsäglichen Elend das blühende freie Bürgerthum; Höfe und Adel wurden französisch, verspotteten mit dem Begriffe „Volk“ alles deutsche Wesen. Es gehörte eine französische Revolution dazu, um Fürsten und Adel zu demüthigen, und ein Napoleon, um die Nation bis zu ihrer eigenen Erhebung aufzustacheln. Die nationale Unabhängigkeit gegen dasAusland ward errungen, aber die nationale Einheit den Ansprüchen der Dynastien geopfert. Die Einlösung dieses Opfers macht den Kern der deutsch-nationalen Bestrebungen der Gegenwart aus.

Ganz anders in Rußland. Dort sind die Kämpfe zwischen den einst mächtigeren Polen und Schweden gegen die Russen längst vorüber, das Russenthum breitete sich mächtig aus und erstreckt seine Herrschaft über ein asiatisch-europäisches Weltreich. Rußland hat von keiner fremden Macht für seine nationale Unabhängigkeit zu fürchten. Zur Entfaltung solcher Macht bedurfte es jedoch ausländischen Geistes.