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Alles muß das russische Nationalgefühl heben. Sollte nun eine solche Erhebung nicht zurückwirken auf das Nationalgefühl der durch Rußland unterdrückten Völker? Sicherlich wird sie dies, und um so tiefer, je mehr die große Idee des Panslavismus Hoffnung auf Verwirklichung erhält. Diese Hoffnung erfüllt aber mehr die russische Dynastie, als das russische Volk, das noch keine Ahnung zu haben scheint von den schweren Stunden, die ihm der Panslavismus einst bereiten wird. Auch hier wird „die alte Geschichte – immer neu“ sein. Je größer das Reich an fremden Gliedern, desto gewaltiger die Macht des Herrschers gegen jedes einzelne Glied. Die Stammnation wird jedoch, je mehr gerade ihrer Nationalität geschmeichelt wird, um so früher empfindlich werden erst gegen ungerechten Druck, dann, fortschreitend, gegen Vorenthaltung gewisser Rechte u. s. w., und gerade im Herzen des Reichs wird die Kraft sich sammeln, die das Recht fordert und das verweigerte erzwingt. Nicht die Rebellion der unterdrückten Völker wird in Rußland zur bürgerlichen Verfassungsfreiheit führen, sondern die Revolution des Nationalrussenthums, und der Krater ihres Ausbruchs kann nirgends anderswo sein, als in Moskau.

Die Geschichte ist für die Gegenwart der Spiegel der Zukunft. Ein Blick in ihn belehrt uns, daß die Romanoffe nicht willfähriger mit freien Reformen sein werden, als ihre übrigen europäischen Geschäftsgenossen seit der Erfindung der Monarchie. Kein einziges freies Volk kann sich eines unblutigen Siegeskranzes erfreuen. Auch den Russen wird der Kampf um die staatsbürgerliche Freiheit nicht erspart; aber sie werden siegen, wie bisher jede große Nation gesiegt hat, und dann beginnt von Neuem, oder beginnt überhaupt die Blüthezeit der alten Nationalhauptstadt des Russenthums, der Stadt der Nationalkraft, die auf festem Boden steht, und sinken und versinken wird die prachtflimmernde Fremdenstadt Petersburg, das Schooskind der Fürstengunst, in den Sümpfen der Newa, aus welchen nur die Despotie sie hervorzaubern konnte.

Bis dahin strahlt die alte Czarenstadt in milderem Lichte als treue Hüterin der Heiligthümer der Nation und als Herrin des russischen Kapitoliums. „Nascha drewnaja stolnitza“, unsere alte Hauptstadt, so nennt nicht nur der Moskauer, sondern jeder Russe die Czarenstadt an der Moskwa und jeder behauptet mit Stolz, daß kein Fremder fühlen könne, welchen Zauber diese drei Worte über ein russisches Herz üben: selbst diejenigen Russen, sagt Kohl, welche Moskau nicht gesehen haben, hängen mit eben solcher Liebe an ihm, wie an Gott, wie an dem Kaiser und wie an vielen anderen nicht von ihnen gesehenen Dingen. Man begreift daher, wie wichtig diese Stadt für Rußland ist, in welcher nicht nur 350,000 Menschen wohnen, sondern auf welche viele Millionen ein liebendes Auge gerichtet haben.

Da die Bedeutung Moskau’s in der russischen Geschichte, sein großes Schicksal von 1812 und seine Wichtigkeit für Rußlands Industrie und Handel im dritten Jahrgange dieses Werkes vom Gründer desselben dargestellt worden ist, so wenden wir uns dem Hauptgegenstande unseres Stahlstichs, dem Kreml, allein zu, welcher seitdem (1849) das große Nationalfest seiner Wiederherstellung aus der Verwüstung von 1812 und im Jahre 1856 eine