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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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die Slaven im Süden des Reichs, Dalmatiner, Kroaten, Slavonier u. s. w., die noch in den glücklichen Kinderschuhen des Volkslebens wandeln, unter weiser und liebevoller Anleitung der Krone ihr Volksthum ausbilden und zum Bürgerthum sich erheben könnten, geschützt in ihren Rechten und in ihrem Erwerb gegen jede Verletzung im Innern und durch die Macht des Staats ihres gesicherten Eigenthums und Lebens froh, – wo wäre der Boden, den die panslavistische Verführung finden könnte? Wenn in den italienischen Landen zu rechter Zeit nicht bloß für die möglichste Steuerkraft, für treffliche Straßen, Kanäle und Eisenbahnen allein gesorgt worden wäre, wenn die Krone den außerordentlichen Vortheil, den ihr das klägliche Beispiel des benachbarten Kirchenstaats und die politische Ohnmacht der anderen Klein- und Mittelstaaten geboten, in der rechten Weise ausgebeutet: wenn sie durch freie Institutionen den Stolz des Volks geweckt und genährt hätte, so würden die klugen italienischen Rechner auch den Vortheil eines so mächtigen Schutzes ihres Wohlstands gewürdigt haben: hätte sie den Italienern der Lombardei die Freiheit gewährt, so würde diese nicht durch die Freiheit ihr entrissen worden sein. – Wenn das Kaiserthum nicht abermals in Ungarn die Vaterlandsliebe polizeilich unterdrückt und als Majestätsverbrechen bestraft, sondern wenn es dieses köstliche Kleinod ehrt, wenn es den Nationalstolz des Ungarvolkes selbst zu ehren versteht, so darf heute noch der Kaiser, der dort König ist, mit gleicher Zuversicht, wie weiland seine große Ahne Maria Theresia, an das Schwert seiner Ungarn schlagen, wenn ein Feind die Grenzen des Reichs bedroht. –
Was von den genannten fremden Völkern Oesterreichs gilt, gilt auch von den deutschen: sie werden nicht mehr Preußen, Sachsen, Bayern um ihre Verfassungen beneiden, wenn ihnen eine österreichische für die deutschen Länder des Kaiserstaats gewährt wird, und auch Vorarlberg wird, selbst dem freien Schweizer gegenüber, mit dem Stolze der Genossenschaft eines großen, freien Völkerbundes unter dem Schutze einer mächtigen Krone, seinen Kaiser freudig leben lassen.
Wie strahlen vor solchem Bilde die Berge und der See! Nur wenn das Herz froh ist, spiegelt das Auge die Herrlichkeiten der Erde wider; wem aber kann in einem Reiche, in welchem – – –
So weit war geschrieben, und der begonnene Satz sollte mit den Worten enden: – in welchem schon das Besprechen freien Verfassungswesens für gefährlich erkannt und den Zeitungen verboten wird! – Da kommt die Kunde von dem Manifeste des Kaisers zu uns.
Sie kommt, obwohl längst ersehnt, dennoch unerwartet, diese Kunde von dem doppelten Ereigniß, daß Absolutismus und Centralisation in Oesterreich mit einem Federzuge vernichtet seien. – Warum jubelte nicht jede freie Seele laut auf bei solcher Kunde? Was drückte die Freude nieder? Welcher Schatten stellte sich zwischen den Kaiser und die Völker? – Es gibt in der Gegenwart Namen, deren Zug unter jeder Urkunde, und wäre sie vom edelsten Willen diktirt, immer den Verdacht der Unlauterkeit erregt. So auch hier. Dieselbe Hand, welche die
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/209&oldid=- (Version vom 21.1.2026)