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eine neuere Anlage hat sie weder Mauern noch Thore, und so gehören auch ihre Sehenswürdigkeiten mehr der Gegenwart als der Geschichte an. Hier finden wir, außer den öffentlichen Gebäuden des Staats und der Bildungs- und Wohlthätigkeitsanstalten, einige Fabriken von Bedeutung, das Schützenhaus als besuchswürdigen Vergnügungsplatz und die Kornhallen, beide am See und letztere seit dem Jahre 1548 jeden Freitag eine belebte Stätte für den Getreide- und Wochenmarktverkehr. Eine Kapelle am See erinnert an einen großen Sieg der Bregenzer über die Appenzeller im Jahre 1408, durch welchen die belagerte Stadt mit Hülfe der Ritter des schwäbischen St.-Jörgen-Schildes von schwerer Bedrängniß gerettet wurde. Diese Belagerung widerfuhr jedoch der obern oder alten Stadt, zu welcher wir jetzt hinaufsteigen.

Die obere Stadt, auf einem freien von zwei Bächen bespülten Hügel stehend, zeigt der Gegenwart noch stolz ihre Umfassungsmauern in alter Originalität. Nur die Außenwände sind gefallen und von den innern Bauwerken der Vorzeit das Rathhaus und die Burg der Grafen von Montfort, die hier residirten. Die Alterthumsforscher vermuthen aus einigen Ueberresten die Stätte eines römischen Kastells, denn man findet hier, wie auf der Stelle, auf welcher man die Ueberbleibsel vom alten Brigantium zu suchen hat (am Wege nach Lautrech, auf dem sogenannten Oelrain bis zur Riedenburg hin), noch viele und zum Thell sehr werthvolle römische Alterthümer. Zwischen der oberen Stadt und dem Kloster der Dominikanerinnen zu Thalbach erhebt sich auf einem reizenden Hügel die Pfarrkirche zu St. Gallus, in welcher der Reisende gern bei einzelnen Grabinschriften verweilt; so beginnt vom alten tapfern Oberst Schoch, der in der bregenzer Geschichte des dreißigjährigen Kriegs eine Rolle spielte, eine Grabschrift:

Allhier in diesem Loch
Liegt Oberst Kaspar Schoch etc. etc.

Prachtvoll ist von diesem Friedhofe der Blick über den See und in das Rheinthal und rückwärts in die waldreiche Schlucht des Pfändergebirgs; noch umfassender aber finden wir ihn, wenn wir an dem Monumente des Feldmarschalllieutenants von Hotze (fiel im Jahr 1799 bei Schännis) vorüber den nächsten Weg auf den Gebhardsberg einschlagen. In einer halben Stunde erreichen wir die Felsenkuppe, auf welcher einst das Schloß Hohenbregenz prangte. Jetzt erinnern nur noch wenige Trümmer an dasselbe, und ein weithin berühmtes Wallfahrtskirchlein leuchtet mit seinen schlanken Thürmchen über dem grauen Gemäuer. Neben dem Kirchlein steht ein Wirthshaus mit einem Altane über jäher Höhe. Hier ist die Fernsicht nach drei Seiten frei und überraschend großartig, wenn sie auch die auf dem 3360 Fuß hohen Pfänderberge, dem letzten westlichen, fast ganz isolirten Ausläufer der vorarlbergischen Alpen, bei Weitem nicht erreicht. Wir sehen vor uns den See in seiner ganzen Länge bis nach Konstanz und bis an den Untersee, rechts das lachende Schwabenufer, links von der Rheinmündung bis Rheineck, wo die St. Galler Vorberge die Fortsetzung des Seeufers verbergen. Ein tiefer Grund, aus