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Das dachlose Gemäuer verlassend, schreiten wir über ausgebrochene Stufen zum Felsgipfel hinan, auf welchem uns das innerste Gebäude mit seinem noch immer hochragenden runden Wartthurme, mit der zerfallenden gothischen Kapelle und eingestürzten Kemnaten fesselt. Ueber Schutt und Steine, welche Moos und Gras bedeckt und Epheu umrankt, durchklettert man die öden Räume, aus denen hie und da der Blick durch einen Mauerriß oder ein gothisches Fenster in die lachende Gegenwart fällt, auf die amphitheatralisch aufsteigenden, pittoresken Bergketten, die braunen Felsen, die sonnigen Rebenhügel (auf denen der Schreckensteiner, einer der lieblichsten böhmischen Weine gedeiht), auf die hier und dort aus dem saftigen Grün hervorlugenden Dörfer und Weiler, auf die Thürme des freundlichen Aussig, auf die denkwürdige Wahlstatt des „Gotteskampfes von Predlic“, wie die Hussiten ihren blutigen Sieg über die Ritter der blonden Katharine von Meißen nannten, auf den silbernen Fluß, der geräuschloß und scheu an des Schreckensteins bemooster Sohle vorüber eilt. Schwanke Nachen gleiten über die Wellen, bewimpelte Fruchtschiffe und mächtige Holzflöße, lang und beweglich wie Seeschlangen. Dort eilt ihnen vorbei, schwarzen Qualm aus seinem Schlot speiend, das Dampfboot Bohemia, ein greller Kontrast zu dem verfallenden Reckensitz, von welchem wir herab blicken; kurz darauf aber sehen wir einen noch schnelleren Mahnboten der Neuzeit heranschnauben: der prag-dresdner Bahnzug brauset vorüber, eine beflügelte Wagenburg der Industrie.

Böhmens Chronik läßt im Jahr 840 die Burg als Grenz-Veste errichten. Von den Geschlechtern, welche seitdem da oben gehaust haben, ist wenig mehr bekannt, als daß sie, die Thorwarte des Landes, mit den geharnischten Buschkleppern, welche die Elbe auf und ab ihr Wesen trieben, in beständiger Fehde lagen und dafür von der Elbschifffahrt einen einträglichen Zoll erhoben.

Im Frühjahre 1426 erfüllte Waffenlärm die Gegend. Um diese Zeit finden wir Wlasek von Kladno als Herrn auf Schreckenstein, einen eifrigen Katholiken und einen der vornehmsten Parteigänger K. Sigismunds. Letzterer hatte Aussig nebst andern böhmischen Städten an Friedrich den Streitbaren von Meißen verpfändet und dieser meißnische Truppen in dieselben gesetzt. Die Taboriten und Waisen zogen im Frühling 1426 in Nordböhmen umher, die meißnischen Besatzungen zu vertreiben. Katharina von Meißen, Friedrichs entschlossenes Weib, rief in ihres Gemahls Abwesenheit ein bedeutendes Heer zusammen, das schwerbedrängte Aussig zu entsetzen und weiter in Böhmen vorzudringen. Ein Heer, welches auf 70,000 Mann geschätzt ward, darunter die Blüthe der meißnischen und thüringschen Ritterschaft, zog in drei mächtigen Haufen gegen Aussig, aber die in den umliegenden Bezirken zerstreuten Böhmen, schleunige Waffenhülfe aus Prag entbietend, sammelten sich zeitig genug, den Schaaren des Ritters Wresowec beizustehen. Die Böhmen besetzten, 25,000 Mann stark, eilig die Höhen bei den Dörfern Predlic und Herbic. Am Morgen des 14. Juni kam es zur Schlacht; sie war eine der blutigsten und für die Böhmen rühmlichsten im ganzen Verlaufe der Hussitenkriege.