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West-Point.




Außer Rußland und China hat kein anderer Staat der Erde ein so großes und massenhaft zusammenhängendes Gebiet wie der große nordamerikanische Bund. Ein Flächenraum von etwa 150,000 deutschen Quadratmeilen, breit hingelagert zwischen beiden Weltmeeren und gegliedert wie ein Athlet, bildet den Schauplatz des wunderbar regen Lebens und Treibens, in das wir schon zu verschiedenen Malen den Leser einzuführen Gelegenheit hatten.

Die Republik zählt heute reichlich 30 Millionen Seelen und hat sich im Laufe eines halben Jahrhunderts zur sechsten Großmacht in der Welt, zur ersten auf der westlichen Erdhälfte emporgeschwungen. So mannigfache Erklärungen zu diesem Wunder staatlichen Wachsens und Blühens wir in diesen Blättern auch schon gegeben haben – unser Bild führt uns einen neuen Faktor vor Augen, der nicht den kleinsten Antheil an der Wohlfahrt jener mächtigen Nation hat und um so sichtbarer an uns herantritt, als er einen schreienden Gegensatz zu einer Institution diesseits bildet, in welcher wir mit Recht die Wurzel unserer politischen Krankheit, den Grund zu unserer schreckhaft überhand nehmenden nationalen Entkräftung erkennen. Es ist das Heerwesen.

Während in Europa, das eine nur wenig größere räumliche Ausdehnung einnimmt, als Nordamerika, an zwei Millionen Soldaten unter den Waffen gehalten werden, und diese Bewaffnung nicht nur zu Friedenszeiten das Staatsvermögen verschlingt, sondern auch die produktive Arbeitskraft decimirt und jährlich hunderttausende der tüchtigsten Männerarme brach legt, unterhält jene Bundesrepublik eine stehende Armee von nur sechzehntausend Mann, und selbst diese Wenigen entzieht sie nicht dem Ackerbau, den Gewerben und dem Handel, wie das europäische Heerwesen es hundertfältig thut. Das verdient wohl in Anschlag gebracht zu werden, wenn man das rasche wirthschaftliche Aufblühen in Nordamerika sich erklären will.