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Freilich befindet jener Staatenbund sich in einer andern natürlichen wie politischen Stellung, als die europäischen Monarchien. Diese überwachen einander mit scheuer Eifersucht; gegenseitiges Durchkreuzen ihrer Pläne, Verbergen ihrer Hintergedanken, einander belügen und betrügen gilt den meisten als das A und Z ihrer Staatskunst, und mehr als eine Regierung kann sich nur durch Bayonette aufrecht erhalten. Keine traut der andern, keine fühlt vor Krieg sich sicher und jede stellt die größtmögliche Steigerung ihrer Heereskraft allen andern Regierungspflichten voran, weil sie in dem mächtigern Nachbar vor ihrer Thür stets einen Feind erblickt. Diesen stillen Krieg Aller gegen Alle, diesen bewaffneten Frieden kennt Nordamerika nicht. Im Bewußtsein seiner Kraft und Stärke hat es keinen Nachbar zu fürchten, und ohnehin wäre das ganze übrige Amerika zusammengenommen den Vereinigten Staaten nicht gewachsen. Ihre nächsten Nachbarn sind Canada mit den übrigen britischen Kolonien, welche zusammen nicht viel über 3 Millionen Einwohner zählen, und das durch und durch zerrüttete Mexiko. Von beiden droht keine Gefahr und an der Küste sind die wichtigsten Punkte mit Festungswerken versehen. Wohl würde ein Feind, der über eine mächtige Dampferflotte verfügt, ohne Mühe an manchen unbeschützten Stellen eine Truppenmacht an’s Land setzen, aber deshalb doch nicht auf dauernden Erfolg rechnen oder gar tief in’s Innere dringen können, denn im Rücken bleibt den Nordamerikanern eine für alle Fälle gesicherte Operationsbasis, und das großartigste, nach wahrhaft national-rationellen Grundsätzen konstruirte Eisenbahnnetz setzt sie in Stand, ihre gesammten Streitkräfte binnen wenigen Tagen an jedem bedrohten Punkte zusammen zu ziehen. Eine noch größere Sicherheit vor den Angriffen und Interventionen fremder Staaten aber liegt in der Unfruchtbarkeit eines solchen Kriegs. Interessen hat keine fremde Macht dort zu vertheidigen und wo weiter nichts zu gewinnen ist, als bloße Waffenehre, behilft sich die heutige Diplomatie lieber mit fulminanten Noten und geharnischten Protesten – aus Papier.

Die einzigen Feinde, gegen welche die Bundesregierung ihre Staatsangehörigen zu schützen hat, muß sie im Innern des eigenen Landes bekämpfen. Sie hat sich der Indianer zu erwehren. Auf der östlichen Seite sind die alten Eigenthümer des Bodens im Fortgange der Zeit allmälig mit den Waffen ausgerottet worden, oder, bis auf kleine ungefährliche Ueberreste, verkommen, oder in Masse über den Mississippi hinüber in die westlichen Gebiete geschafft worden. Aber weiter gen Abend, auf den weiten Wiesensteppen, in den Gebirgsthälern, in der Hochwüste von Utah, in Oregon und Kalifornien, sind auch heute noch etwa 300,000 rothe Menschen vorhanden, unter denen je der fünfte Kopf ein Krieger ist. Je weiter und unaufhaltsamer die Weißen sich ausdehnen und vordringen, um so mehr fühlen die Indianer sich eingeengt und beeinträchtigt, um so mehr müssen sie zurückweichen. Manche Stämme sind binnen einem Menschenalter bis auf den letzten Mann verschwunden; der übrigen scheint sich eine dumpfe, anderer eine wilde Verzweiflung bemächtigt zu haben, und in dieser stürmen sie dem Untergang entgegen, welchen das Geschick ihnen bereitet. Nie ist Ruhe auf den Prairien oder in und an den