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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Felsengebirgen; glaubt man einen Stamm begütigt oder gezüchtigt, beginnt ein anderer in weiter Entfernung den Kampf und schwingt die vor Kurzem begrabene Streitaxt auf’s Neue. Bald sind die Kamantsches in Texas in Bewegung und dringen bis in die Niederlassungen der Weißen, um zu morden und zu plündern; bald stürmen die Navajos nach Neu-Mexiko hinein, verheeren und rauben; dann schwärmen Krähenindianer oder Schwarzfüße weit umher und bedrohen die Auswanderer, welche über Land nach den Staaten am großen Weltmeer ziehen, oder Schlangenindianer halten Gebirgspässe besetzt und überfallen die Karawanen. In Oregon ist deshalb in den Jahren 1859 und 1860 ein wahrer Vernichtungskrieg gegen die rothen Stämme geführt worden, welcher der Bundeskasse mehr als fünf Millionen Dollars gekostet hat; aus Kalifornien kommt fast in jeder Woche die Nachricht, daß so und so viele Indianer wie das Wild gejagt und getödtet worden seien!
Diese Kämpfe sind fürchterlich und müssen unsern Abscheu erregen, denn es unterliegt keinem Zweifel, und wird von keiner Seite her in Abrede gestellt, daß alle Schuld auf die Habsucht, die Gewissenlosigkeit und die Rohheit der vielen weißen Abenteurer fällt, welche sich zu tausenden, in größeren oder kleineren Gruppen, im weiten Westen umhertreiben. Dieser Auswurf, der die älteren Staaten meiden muß, sieht in jedem Indianer nur „Ungeziefer“, einen rechtlosen Menschen, gegen welchen man sich Alles erlauben dürfe, den man niederschießen müsse wie einen Prairiewolf oder einen grauen Bären. Der rothe Mann übt dann seinerseits Rache in furchtbarer Art; nach seinen überkommenen Begriffen ist jeder Stamm solidarisch für die Handlungen seiner Angehörigen verpflichtet, und so macht er keinen Unterschied zwischen den Weißen, sondern übt Vergeltung an dem ersten Besten, der ihm in den Weg kommt. Seit vielen Jahren verging kein Tag ohne Metzeleien. Das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten ist vom atlantischen Meere bis zum Stillen Ocean blutiger Grund, und wird es bleiben, bis mit dem letzten rothen Mann der letzte Tomahawk in die Erde gelegt sein wird. Schon vor einem halben Jahrhundert rief der große Staatsmann Jefferson aus schmerzgepreßter Seele die Worte: „Mich schaudert, wenn ich denke, daß einst an unsern Enkeln die Greuelthaten vergolten werden könnten, welche unser Volk an den Indianern verübt!“ Und seitdem haben jene blutigen Greuel sich noch unberechenbar vermehrt, und nehmen ununterbrochen ihren Fortgang.
Gegen solche Feinde bedarf die Bundesregierung ihres Heeres; drei Viertheile desselben hat man im Innern und im Stillen Ocean vertheilt, der Rest steht als Besatzung in den verschiedenen Festungswerken an der atlantischen Küste oder an der canadischen Grenze. Es gibt solcher Posten, Forts und „Barracks“ oder Kasernen, jetzt gerade einhundert, die in sieben verschiedene Departements vertheilt sind. Zum östlichen gehören 44, längs der ganzen atlantischen Küste und der des mexikanischen Meerbusens bis nach Louisiana; zum westlichen 12, zumeist in Minesota, Kansas und Nebraska, während das von Texas allein 14 Forts hat, um die
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 218. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/228&oldid=- (Version vom 22.1.2026)