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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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So unverhältnißmäßig hoch im Einzelnen dieser Aufwand erscheint, so schrumpft er doch zu völliger Bedeutungslosigkeit zusammen, wenn man die Milliarde dagegen hält, welche der europäische Kontinent in seinen Friedens-Budgets jährlich verschlingt (800 Millionen die stehenden Heere und 200 Millionen die Flotten). Das Erschreckende dieses Mißverhältnisses begreift man erst, wenn man bedenkt, daß jene Summe die Hälfte des gesammten Staatenhaushalts beträgt, der ohnedies in unseren Monarchien, mit ihrem Zubehör von Civillisten, Apanagegeldern, Pensionslisten und einem komplicirten Regierungsapparat die Kosten einer rationellen Bewirthschaftung, wie die schweizer und nordamerikanischen Republiken sie üben, um das Zweifache übersteigt. Was gibt es da noch zu verwundern, wenn trotz der raffinirtesten Anspannung der Steuerkraft, trotz der künstlichsten Steigerung des National-Wohlstandes, trotz der erdenklichsten Aufblähung und Ausnutzung des öffentlichen Kredits, sämmtliche Staaten jahraus jahrein ihre Bilancen mit Millionen von Defiziten abschließen und so unvermeidlich dem Bankerott entgegeneilen, wie ein leckes Fahrzeug, dessen Pumpen das Wasser nicht halten, trotz allen Geschicks der Steuerleute und aller Anstrengung der Mannschaft am Grund des Meeres anlangen muß. –
Man unterschätze deshalb nicht die Wehrkraft der Vereinigten Staaten; sie liegt, wie oben gesagt, in der Miliz, in welcher, dem Buchstaben des Gesetzes zufolge, jeder Mann vom 18. bis zum 45. Jahre dienen soll. Sie darf in gewöhnlichen Fällen nur innerhalb des besondern Staats verwandt werden, welchem sie angehört, steht unter dem Oberbefehl des Gouverneurs und in Kriegszeiten hat jeder Einzelstaat einen angemessenen Beitrag zur Bundeslandwehr zu stellen. Diese Miliz, die in jedem Jahre 14 Tage lang dienstliche Uebungen abhält, würde in Kriegszeiten eine unerschöpfliche Reserve bilden, welche allen Abgang, den die Feldtruppen etwa erleiden, in jedem Augenblick reichlich ersetzen könnte. Man läßt ihr im Frieden weiten und freien Spielraum, und dringt nur darauf, daß die Männer sich in den Waffen üben. Was diesen Leuten im Anbeginn eines Kampfes fehle, würden sie ohne Zweifel durch Muth und Patriotismus ersetzen. Die Soldatenspielerei der Milizkompagnien, namentlich in den großen Städten, hat ohne Zweifel ihre humoristische Seite, aber von dieser darf man nicht auf die Sache selbst schließen. Unter ihrer Oberfläche ist eine ungeheure Kraft und ein gewaltiger Ernst verborgen. Die Zahl der waffentragenden, in den Listen der Landwehr verzeichneten dienstpflichtigen Männer betrug im Jahre 1859 nicht weniger als 2,827,486 Köpfe. Von diesen sind mindestens drei- bis viermalhunderttausend Mann, namentlich im Westen, geübte Büchsenschützen, aus denen sich binnen wenigen Wochen vortreffliche Kerntruppen bilden lassen, die vor keinem noch so taktisch gebildeten Heere zurückweichen. Sobald ein Feind erschiene, würden sie in ungezählten Schaaren ihm entgegeneilen, und ein Aufruf des Präsidenten reichte hin, um hunderttausend Freiwillige für das stehende Heer zu gewinnen. Während des Krieges gegen Mexiko strömten sie in solcher Menge herbei, daß man sie nur zum kleinern Theil verwenden konnte. Die Nordamerikaner sind kein soldatisches Volk, das seinen Ruhm in kriegerischen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/231&oldid=- (Version vom 23.1.2026)