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Schloß Eisgrub.




Die schmalste Portion bei der Austheilung der deutschen Souveränetäten aus der großen wiener Schlacht-Schüssel im Jahr 1815, das winzigste Stückchen Kolorit auf der buntscheckigen Fläche der deutschen Karte, den niedrigsten Sessel am grünen Tisch in der eschenheimer Gasse, den kleinsten Raum im gothaer genealogischen Kalender[1] erhielt der Fürst von Lichtenstein. Doch ist ihm mancher Trost für diese Auszeichnung geblieben: sein Geschlecht ist eines der ältesten, ruhm- und verdienstvollsten der österreichischen Monarchie, ein stolzer Wappen-Adler schwebt über seinem Zaunkönignest; sein Privatbesitz, einer der ausgedehntesten und reichsten, ist über 100 Quadratmeilen groß mit einem Einkommen von über 2,000,000 Gulden, und sein Schloß in Mähren, Eisgrub, der schönste Fürstensitz Deutschlands. Ein so vornehmer und reicher Herr darf wohl eine solche absonderliche Liebhaberei treiben und auf einem Thrönchen von Gottes Gnaden es sich wohl sein lassen. Möge er das Steckenpferdchen noch recht lange reiten, zur Freude seiner konstitutionellen Unterthanen und zur Erhaltung des europäischen Gleichgewichts!

Eisgrub, eine Fideikommißherrschaft der Fürsten von Lichtenstein, liegt im Kreis Brünn, an der mährischen Eisenbahn. Das neue Schloß ward vom reichen Besitzer auf den Grundmauern des alten errichtet, mit allem Aufwand an Geschmack, welchen Reichthum nur gewähren kann. Die wüste und sumpfige Umgegend verwandelte sich in den herrlichsten Park, der je ein Fürstenschloß umgab. Es ist der zeitweilige Sommeraufenthalt des regierenden Fürsten, der seine Residenz in Wien hat. –


  1. Wörtlich: Vorstand der Hofkanzlei: Zipfl. Landesverweser: Menzinger. Flächengehalt 29/10 Quadratmeilen. Bevölkerung: 7150 Seelen. Gesammt-Einnahme und Ausgabe: 55,000 Gulden. Bundeskontingent: 55 Mann.