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Tulln.




„Eine Stadt liegt an der Donau, im Oestreicher Land,
Die ist geheißen Tulna, da ward ihr (Kriemhild) erst bekannt
Manche fremde Sitte, die sie noch niemals sah;
Da empfingen sie Viele, denen noch Leid von ihr geschah.“
 (Lied vor der Nibelungen Noth.)

Soweit die Donau hinauf, bis ob dem Wiener Wald, grenzte damals daß gewaltige Hunnenreich. Hier stieg Kriemhild auf ihrer Brautfahrt an’s Land mit ihren edlen Recken, und unter Waffenpracht und Festesglanz, wie sie ihr Auge noch nie geschaut, ward sie von König Etzel und tausend kühnen Degen aus nahen und fernen Landen hier empfangen. So rasch auch die Winde das Geräusch der Festgelage von dannen getragen und die Fluthen des Stroms, welche die Barke der königlichen Braut an dieses Gestade geführt, zum Meere entflohen sein mögen, des Dichters Genius hat jene verhängnißvolle Landung in seine unvergänglichen Tafeln eingegraben, die unserer Vorzeit Heldenthum der fernsten Zukunft noch verkünden werden, – lange, lange noch, nachdem auch jener Römertempel, der greise und einzige noch aufrecht stehende Zeuge jener glänzenden Tage, tief in Staub versunken sein wird. Auch manches Lesers Phantasie wird’s besser behagen, das friedliche Bildchen lieber mit den hohen, stolz einherschreitenden Reckengestalten der Nibelungen zu beleben und den grimmen Hagen, den kühnen Spielmann Volker, den tapfern Gunther in schimmernder Königspracht hier zu sehen, hier, wo die Sonne erbleichte vom Waffenglanz vergoldeter Helme und die Luft erbebte von den tönenden Schilden und den Streichen der besten Schwerter, und wo unser Zeichner vor seinen Augen fromme Waller zum kleinen Gotteshaus ziehen läßt.

Doch soll mir deshalb Niemand die schlichte katholische Pfarrkirche in Tulln gering achten, in welche sich die Anbetung Gottes geflüchtet hat, nachdem sie von den Altären jenes heidnischen Tempels verscheucht worden. Der Gott,