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Die lange Wand an der oberen Donau.




Warum auf 100 Rheinreisende kaum ein Donaureisender kommt? Warum der Rhein hundertfach besungen ist, während die Donau noch nicht einen einzigen Sänger gefunden hat? Steht sie denn an Rang und Reizen so weit ihrem stolzen Rivalen nach? Gewiß nicht an geschichtlicher Bedeutung, in welcher ihr mehr noch als dem Rhein das so gang und gäbe, wiewohl oft genug zu Schanden gewordene Prädikat des „deutschen Stromes“ gebührt.

An den Ufern der Donau brachen sich zuerst die Siegeswogen der Mark-Aurelischen Legionen; die Marken des römischen Weltreichs mußten jenseits stehen bleiben. In ihren Uferlanden fielen der Bischof Maximilian, der Tribun Florian, der heilige Stephan, die ersten Blutzeugen der weltversöhnenden Heilslehre. Auf der Donau flüchtete Julian, der Apostat, der Mann voll Römertugend, die zerfallende Civilisation von Byzanz nach den Ufern der Save; an der Donau breitete Attila, die Geißel Gottes, seine blutige Herrschaft aus; an ihren Gestaden baute der heilige Severin seine Zelle, aus welcher der Heruler Odoaker gen Welschland zog, um das Thierfell um seine Lenden gegen den römischen Purpur einzutauschen; von Regensburg schiffte Rupert, der Gottesmann, die Donau hinab, den verwilderten Völkern das Christenthum zu predigen; längs der Donau drang Karl der Große mit seinen gewaltigen Heeresmassen und dem Schrecken seines Namens hinab gegen die räuberischen Avaren und um des Magyaren trotzige Donauveste Melk wüthete noch 30 Jahre lang nach der Lechfeldsschlacht blutiger Streit. Und wie die Wogen der Völkerwanderung sich Jahrhunderte lang das Donauthal herauf über das westliche Europa ergossen, so zeigte wiederum die Donau ein Jahrhundert hindurch den streitlustigen Ritterschaaren mit dem Kreuz den Weg zur Befreiung des Heilandsgrabes, zu den Wundern und Märchen des Morgenlandes. Regensburg und Wien waren fortan die beiden Pole des süddeutschen Handels, die geräuschvollen Stapelplätze eines großartigen Verkehrs mit dem Orient. In dem Fischerdörfchen Erdberg bei Wien ward Richard Löwenherz erkannt und gefangen. Die deutschen Barden Heinrich von Ofterdingen, Walter von der Vogelweide, Ulrich von Lichtenstein erfüllten die Donaulande