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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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mit dem Ruhme ihrer Lieder. An der Donau, bei Wien, schlug der letzte Babenberger, Friedrich der Streitbare, die grausigsten Gäste, welche je Deutschlands Grenzen verheerten, die Mongolen, auf’s Haupt; auf dem Marchfelde errang Rudolf I. von Habsburg sich die deutsche Kaiserkrone, dem Reich Friede, Ordnung und Gesetz. Nach ihm haben Streitsucht und Ländergier deutscher Fürsten viel deutsches Blut den Donauländern zu trinken gegeben, und doch waren es wiederum der deutsche Strom und die Mauern Wiens, welche den von Sieg zu Sieg fliegenden Roßschweifen des großen Suleymann Halt geboten und das deutsche Vaterland vor dem Schicksal gerettet haben, zu einer osmanischen Provinz zu werden. Im dreißigjährigen Krieg rötheten sich die Fluthen der Donau vom Blut der Römischgläubigen und Lutherischen, wie im Bauernkrieg von dem der Edlen und Bauern im obderensischen Lande, und auf den Feldern von Ulm, Elchingen, an der Drau und bei Aspern wirft noch heute des Landmanns Pflugschar die Gebeine der Tapfern aus den Furchen, sowohl die für den Ruhm des fremden Eroberers, als die für ihr Vaterland dort ihr Grab fanden; – auch die That, die uns in den so reichlich verdienten Siegerkranz so scharfe Dornen flocht, der Fürstentag, der den „Bundestag“ geschaffen, ward an den Donauufern vollbracht.
Narben deutscher Ruhmesgeschichte hat also die Donaunymphe mehre und tiefere aufzuweisen, als irgend ein anderer deutscher Strom, daß es ihr aber auch an Reizen der Natur, an melodischem Sagenklang, an der Rebe edlem Gold, und an männlich deutschem Sinn ihrer Söhne nicht gebricht: das werden diese Blätter in der Zukunft uns oft zu Gemüthe führen.
Bild und Legende von der langen Wand bei Weltenburg in Bayern liegen uns zunächst zur Hand.
Senkrecht ragen hier zu beiden Seiten des Wasserspiegels die Felsen auf, ja überhängend sogar, und kein Fuß breit Land bleibt zum Wandeln übrig. So schaurig, wie dieser Felsenengpaß des Stromthales, so erhaben und imposant ist nicht des Rheins gepriesene Lurley und nicht des Hudsons Pallisaden. Wehe, wenn hier ein Sturmwetter die Schiffenden trifft, wenn empörte Wogen die schwankenden Fahrzeuge an den Felsen zu zerschellen drohen. Dann thut freilich Hülfe von oben Noth, und St. Nepomucks Wunderkraft erflehen dann laut die Schiffenden. In langer Ausdehnung setzt sich zu beiden Seiten derselben Wassergasse die Felsenwand fort. Starke eiserne Ringe, an das Gestein gekettet, dienen dazu, daß die Stromaufwärtsschiffenden mit Hacken die Fahrzeuge gegen die Wellen ziehn.
Drei Felsenplatten, die zur linken Hand gesondert aus der Fluth gucken, heißen die drei Brüder, und die Sage flüstert: Es sind einmal drei Brüder gewesen, davon waren zwei ihrem jüngsten feind und wollten ihn verderben durch jähen Tod. Aus der Zille, einem großen Kahn, darin sie fuhren, stürzten sie den Bruder an jener
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 236. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/246&oldid=- (Version vom 23.1.2026)