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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Baltimore ist ohne alle Frage eine der schönsten Städte Amerika’s. Sie liegt auf der Grenzscheide der nördlichen und südlichen Staaten, am linken Ufer des Patapsko, der drei deutsche Meilen weiter abwärts in die schöne Chesapeake-Bay mündet. So ist Baltimore eine Seestadt, hat einen vortrefflichen Hafen, und vermittelst desselben Verbindung mit dem Ocean; das Hinterland ist zum Theil ungemein fruchtbar, liefert vorzugsweise Tabak und Mehl zur Ausfuhr, und die Verbindung mit allen Theilen der großen Union wird durch die Eisenbahnen nach allen Richtungen hin erleichtert. Die Gunst der Umstände hat man zu benutzen verstanden, und da, wo vor etwa hundert Jahren (1765) erst 49 armselige Häuser standen, sehen wir nun eine Prachtstadt, die gegenwärtig nahe an zweimalhunderttausend Menschen zählt. Zu Anfang unsers Jahrhunderts betrug die Ziffer der Einwohner erst 26,614, sie war 1830 schon auf 80,000, und im Jahre 1850 auf 169,000 gestiegen. Je mehr das Hinterland durch Besiedelung entwickelt wurde, um so rascher und gediegener entwickelte sich auch der Aus- und Einfuhrhafen desselben, und der Handelsverkehr gewann einen großen Umfang.
Die Bauart ist einförmig in der gewöhnlichen amerikanischen Weise; viele Häuser sind stattlich genug, wenn auch zumeist ohne gediegenen Geschmack, die Zahl der Kirchen beläuft sich auf mehr als hundert, die Markt- oder Baltimorestraße ist eine halbe Stunde lang und vierzig Ellen breit. Einen schönen Anblick gewährt Baltimore dadurch, daß es sich über eine Anzahl von Hügeln hin ausdehnt; dadurch gewinnt es einen eigenthümlichen Charakter und verliert das Gepräge der Langweile, durch welches namentlich Philadelphia sich auszeichnet. Auf einigen dieser Hügel hat man Monumente errichtet, und diese sind auch
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 240. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/250&oldid=- (Version vom 23.1.2026)