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aus weiter Ferne sichtbar. So steht zum Beispiel das Denkmal zu Ehren Washingtons 150 Fuß über den Wasserspiegel des Patapsko; die schlichte dorische Säule erhebt sich auf einer zwanzig Fuß hohen, fünfzig Fuß in’s Gevierte haltenden Grundlage; der Schaft hat 160 Fuß Höhe und 20 Fuß im Durchmesser. Auf ihm steht eine dreizehn Fuß hohe Statue Georg Washingtons, zu welcher im Innern der Säule eine Wendeltreppe hinaufführt. Ein zweites Denkmal, das Battle-Monument, wurde 1815 zum Andenken der Kämpfer errichtet, welche am 13. September 1814 bei Vertheidigung der Stadt gegen den englischen General Roß fielen. Beide Denkmäler sind weder schön noch großartig, aber weil Baltimore sie besitzt, nennt es sich vorzugsweise die „Stadt der Monumente.“ In Europa würde man von dergleichen kein Aufheben machen.

Berühmt sind die schönen Weiber von Baltimore. Sie zeichnen sich vor den Yankeemädchen und Frauen sehr vortheilhaft aus durch hübschen Wuchs, runde und doch nicht zu volle Formen und durch eine anmuthige Haltung; auch ist die Gesichtsfarbe frisch. Aber berüchtigt ist Baltimore durch seine Tabakskauer, seine Raufbolde und seine Know-Nothings, ächtes Vollblut des nativistischen Jung-Amerika, das an Rohheit mit den Kannibalen der Südseeinseln wetteifert. Ein Fremder, welcher auf der Eisenbahn nach Baltimore fährt, wird allemal mit sehr unangenehmen Leuten in Berührung kommen. Sie kauen ächten virginischen Lady-Twist oder guten Cavendish, zwei bei ihnen sehr beliebte Sorten Tabak, und speien in höchst widerwärtiger Weise auf den Boden, der bald eine braune Ueberschwemmung erleidet, malen auch wohl allerlei Arabesken an Wagenfenster und Wände. Delikatesse und Rücksichtsnahme auf Andere kennt man nicht.

Doch solche Tabakskauer sind nur lästig und unangenehm, dagegen sind die Raufbolde im höchsten Grade gemeinschädlich. Die schöne Stadt der Monumente zählt unter ihren paarmalhunderttausend Einwohnern mehr nichtswürdige Rowdies, als irgend eine andere Stadt. Sie ist in dieser Hinsicht noch berüchtigter als selbst New-York, und die Banden der Rowdies sind um so gefährlicher, da sie in der Politik eine hervorragende Rolle spielen. Maryland ist der einzige Staat, in welchem bis jetzt die nativistischen Know-Nothings die Herrschaft behaupteten; in allen anderen haben sie dieselbe eingebüßt, nachdem sie da oder dort vorübergehend, aber nur auf wenige Jahre, die Regierung an sich zu bringen gewußt hatten.

Diese Nativisten sind eine so eigenthümliche Erscheinung und ihr ganzes Treiben wirft ein so helles Schlaglicht auf die gesellschaftlichen und staatlichen Zustände in den Vereinigten Staaten, daß es sich der Mühe verlohnt, näher darauf einzugehen. Amerika war von Anfang an ein Aufnahmebecken für Menschen aus allen Ländern Europa’s; in Pennsylvanien lebten schon einige tausend deutsche Ansiedler, bevor noch Wilhelm Penn an den Delaware gekommen war; im Süden der Vereinigten Staaten waren eben so wohl wie im