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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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weil diese sonst nicht reinen Mund halten, sondern Geheimnisse ausplaudern würden, deren Veröffentlichung für jene Männer verhängnißvoll werden könnte.
In Baltimore sind alle Raufbolde wüthende Know-Nothings, sie gehören zum „Adel, zum königlichen Blut Amerika’s“. Durch sie ist diese Partei an’s Ruder gebracht worden; sie darf ihnen also nicht verbieten, sich allerlei landesüblichen Lustbarkeiten hinzugeben. Der Bäcker Rasch stand eines Nachmittags vor seiner Hausthür und rauchte eine Pfeife. Drei tabakkauende Know-Nothing-Rowdies gingen vorüber; der eine hatte eben einen neuen Revolver gekauft, den er probiren wollte. Nachdem er ihn geladen hatte, schoß er zum Vergnügen den deutschen Bäcker todt. Im Jahre 1855 plünderten Know-Nothing-Banden zu Louisville in Kentucky drei Tage lang die Häuser der adoptirten Bürger, und in den Straßen wurde ein entsetzliches Blutbad angerichtet. Weder dort noch in Maryland ist den Mördern je auch nur ein Haar gekrümmt worden, denn die Richter sind aus Parteiwahlen hervorgegangen, und dürfen ihre Schuldigkeit nicht thun, weil sie es sonst mit einem so einflußreichen Element ihrer Partei verderben würden. Denn die Rowdies stehen Alle für Einen. Aber auch mit einem strengen Urtheil über einen Verbrecher wäre noch nichts gewonnen, denn in Maryland z. B. ist der Gouverneur ein Know-Nothing, er hat das Begnadigungsrecht und muß dasselbe zu Gunsten seiner Parteigenossen üben. Seit sechs Jahren sind in Maryland alle Rowdies und alle Know-Nothings, welche einen Mord verübt hatten, nach einer Haft von wenigen Monaten vollkommen begnadigt worden; Mörder, welche nicht zum königlichen Blut Amerika’s gehören, kommen allemal ohne Gnade an den Galgen.
Aber, werden die Leser ausrufen, sind denn solche Dinge möglich, ist die obige Schilderung nicht etwa übertrieben, das Gemälde nicht gar zu dunkel gehalten? Nordamerika gilt doch für ein civilisirtes Land, in welchem derartige Abscheulichkeiten in planmäßiger Weise nicht stattfinden können! Auf solche Frage antworten wir am besten mit amtlich festgestellten Thatsachen.
Am 2. November 1859 fanden in Baltimore neue allgemeine Wahlen statt. Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Bürger hatte sich entschlossen, die durch abscheuliche Verbrechen und Mißbräuche aller Art unerträglich gewordene Herrschaft der Know-Nothings zu brechen. Diese wollten jedoch die einträglichen Aemter nicht fahren lassen, sondern nach wie vor am Platze bleiben. Da sie aber wußten, daß ihre Partei, weil in der Minderzahl, unterliegen müsse, falls bei den Wahlen Alles einen gesetzlichen Verlauf nahm, so blieb nichts übrig, als die Hitze der etlichen tausend Rowdies anzufeuern, die ja ohnehin ein Interesse daran hatten, daß ihre Brodgeber und politischen Freunde am Ruder blieben. Es wurde also verabredet, alle Wähler der Gegenpartei von den Stimmbuden fern zu halten und jene, welche sich trotzdem an dieselben wagen sollten,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 244. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/254&oldid=- (Version vom 23.1.2026)