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Wunden. Sehr bezeichnend war bei allen diesen Vorgängen, daß in sämmtlichen Stadtvierteln die löbliche Polizei den Reformern sagte, wer sich nicht auf der Straße blicken lasse, komme in keine Ungelegenheiten; sehr oft verhaftete sie die Leute, welche ohne allen Anlaß geschlagen wurden. Sehr begreiflich, denn sie konnte doch nicht Hand an ihre eigenen Freunde und Parteigenossen legen! Interessant sind die Abenteuer eines Berichterstatters, welcher beauftragt war, für eine große Zeitung die Ergebnisse der Abstimmung zu ermitteln. Er pochte an die Stimmbude der zwölften Ward und begehrte Einlaß, den man ihm anfangs verweigerte. Als er in das Haus kam, prickelten ihn die zahlreich versammelten Rowdies erst mit Schusterahlen und verlangten dann, daß er sie mit Branntwein traktiren solle. Als er sich weigerte, zogen sie Pistolen und Messer hervor und wollten ihn einschüchtern. Zum Glück kam gerade eine andere Regulatorenbande, welche Branntwein vollauf mitbrachte. Als dieser zu Ende ging, stürmten Alle in eine benachbarte Schenke und schleppten den Berichterstatter mit, um ihn betrunken zu machen. Bald aber geriethen sie unter einander in Streit; diese Gelegenheit benutzte der Gefangene und entkam. Einer von jenen Rowdies hatte sich gerühmt, daß er allein in der elften Ward nicht weniger als siebenzehnmal seine Stimme abgegeben habe.

So verhält es sich mit dem allgemeinen Stimmrechte und der Wahlfreiheit in Baltimore. Das „königliche Blut Amerika’s“ errang einen vollständigen Sieg, die Know-Nothings setzten alle ihre Kandidaten durch, die Polizei und die Rowdies blieben unbestraft. Aber die Gewaltthätigkeiten, die Unzahl von Todschlägen, Ermordungen und Verwundungen am 2. November, die frevelhafte, offene Verletzung aller Gesetze, die Pflichtwidrigkeit der Beamten waren doch zu schreiend, als daß sie ohne Weiteres hätten unbeachtet bleiben können. Die Reformer ermannten sich endlich und setzten durch, daß eine Untersuchungskommission ernannt wurde, welche dann im Januar 1860 als Ergebniß ihrer Untersuchungen über den an einem einzigen Tage verübten Unfug, einen Band von 334 enggedruckten Seiten veröffentlichte. Alle Aussagen wurden eidlich gemacht; die Zeugenverhöre fanden in Gegenwart der andern Parteien statt, Jeder hatte das Recht, Kreuzverhöre vorzunehmen. So stellten sich dann Hunderte von haarsträubenden Thatsachen heraus. Der Bericht sagt wörtlich: „Die blühende Handelsstadt Baltimore, welche mehr als 200,000 Einwohner zählt, befindet sich in der Gewalt von Mörderbanden; Leben und Eigenthum der friedlichen Bürger sind unter der obwaltenden Tyrannei und Schreckensherrschaft keinen Augenblick sicher.“ Ein Deutscher, den die Rowdies aufgefangen hatten, sagte aus: „Wir sollten für die Know-Nothings stimmen; man hielt uns gespannte Revolver vor und feuerte Kugeln über unsere Köpfe ab, um uns einzuschüchtern und fügsam zu machen. Wir wurden zusammengepfercht wie Schweine, gepreßt wie Heringe in der Tonne, geprügelt, mit Füßen getreten, mit Büchsenkolben blutrünstig geschlagen, der Baarschaft und der Kleidungsstücke beraubt. Man schleppte uns von einem Stimmkasten zum andern, jedesmal unter einem andern Namen, und wir wurden gezwungen,