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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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zum Ideale eines menschlichen Gemeinwesens herauszubilden. Das Fundament desselben sollte völlige Gleichheit und Brüderlichkeit sein, bei vollständiger Toleranz in religiöser Hinsicht. „Handle gegen Andre, wie du willst, daß sie gegen dich handeln sollen!“ – war das moralische Gebot der neuen Gesellschaft. Arbeit, Genuß, Erziehung – alles war Gemeingut und Gemeinrecht. Für die Unterhaltung der Mitglieder war durch Konzerte, Theater, Bälle, Vorlesungen etc. gesorgt. – Das neue Utopien am Wabash erregte die Aufmerksamkeit Amerika’s wie Europa’s. Aber die Herrlichkeit desselben war von kurzer Dauer. Das Ganze ruhte auf falschen Voraussetzungen. Die „Gleichheit der Brüderlichkeit“ der Gesellschaft blieb, bei den widerstrebenden Elementen, aus denen sie zusammengesetzt war, nichts als ein Name. Die Kolonisten legten unter den Genüssen einer höhern Bildung wohl ihre Wildheit und Liederlichkeit ab, nicht aber ihre Trägheit. Es stellte sich bald ein bedeutendes Deficit an baarem Kapital heraus; Mißvergnügen und Unordnung rissen ein, und Owen mußte endlich sein mit den schönsten Hoffnungen begonnenes Werk preisgeben. Tiefen Kummer im Herzen und nicht ohne großen materiellen Verlust kehrte er nach England zurück; hier ist er, bis in’s hohe Alter noch für seine Ideen thätig, erst vor Kurzem (1858) gestorben.
Eins der stolzen Hochstifter Oesterreichs, die an Glanz, luxuriöser Ausstattung und Einkünften Fürstensitzen gleich sind. Die Abtei wurde 1083 vom Bischof Altmann von Passau gegründet. Nachdem ein Brand zu Anfang des vorigen Jahrhunderts den alten Bau zerstört hatte, wurden die prächtigen Gebäude aufgeführt, die jetzt noch die Zierde der Gegend sind. Abt war damals der berühmte Geschichtsschreiber Bessel, der Verfasser des „Chronicon gottwihcense“. Das Kloster enthält eine reiche und interessante Bibliothek und werthvolle wohlgeordnete Sammlungen von Naturalien, Münzen, Alterthümern und Kunstsachen aller Art. Seine Lage, auf einem steilen Berge in der Nähe von Furth an der Donau, gewährt einen reizenden Blick in das weite gesegnete Thal des stolz dahin wallenden Stromes.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 255. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/265&oldid=- (Version vom 23.1.2026)