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an den Gesimsen, Knäufen oder glatten Wänden hin, bald reich mit Arabesken durchwebt und umflochten, in erhabenen Schriftzügen aus dem Spitzengewebe der Gypsverzierungen hervortretend; bald alle Balken der Wappenfelder oder Mittelpunkte der Rosetten zierend; bald einfach, sich selbst genug, eine eigene Kante an den Wänden und der Decke bildend. Mag er auch wechseln in Schrift und Anordnung, mag sich auch der leichte Reigen der arabischen Schönschrift, welchen er zusammensetzt, durch die ernsten und schweren kufischen, sich oft verkehrt einander gegenüberstehenden oder doppelgesichtigen Buchstaben, die ebenfalls zu ihm sich einen, hindurchwinden: er ist und bleibt derselbe, allgegenwärtig wie der Gott, zu dessen Anbetung er mahnt, überall vor die Augen tretend, dem Könige im Saale der Gerechtigkeit in die Seele redend, ihn im Schlafgemach zum letzten Gebete des Tages mahnend.

Gewiß, die Alhambra spricht mit tausend Zungen; jeder ihrer Steine hat seine Worte und alle Worte werden zu Gedichten. Und darum nenne ich sie ein morgenländisches Liebesgedicht in Stein!

Warum aber gerade ein Liebesgedicht? Nicht wegen der unzähligen lieblichen Lieder der Minne, mit denen sie den Verstehenden anspricht; denn der ernsten Gedichte sind mehr als jener. Auch nicht weil die Sage, wie oben angedeutet, die Liebe den ersten Grundstein zu dem Feenschlosse legen läßt; denn der Sage fehlt das Zeugniß der Wahrheit. Wohl aber deshalb, weil der ganze Bau auch ohne Sage, ohne Lied und ohne Worte unverkennbar nur der Liebe Sinnbild ist. So wie ein gothischer Säulenchor einem Choral verglichen wird, auf dessen Schwingen sich die andächtige Christenseele wiegt, und ein gothischer Dom ein Sinnbild ist des Glaubens, der emporstrebt zum Himmel und seinen Engeln und Heiligen, und unter sich die Hölle schaut sammt deren Teufeln, Drachen und andern Ungeheuern: so ist ein maurischer Bau ein Lied, ein Sinnbild der Liebe, selbst dann noch, wenn er dem Gläubigen den Pfad zum Paradiese weisen soll; denn dieses Paradies ist ja eben ein Garten der Liebe, leider sogar der sinnlichen Liebe. Deshalb vermißt man in der Alhambra auch das Großartige nicht, welches, bei dem gothischen Bau mit der Schönheit der Form vereint, die erhabene Stimmung der Seele in uns hervorruft; man fühlt, daß es sich dort um etwas Anderes handelt. Die Alhambra ist nicht großartig, nicht riesenhaft; aber sie ist zierlich, überaus zierlich und mährchenhaft. Sie ist, wie der Muselmann selber, ernst und würdevoll von Außen, blühend und bilderreich im Innern.

Alle Räume des Schlosses reihen und ordnen sich um drei freie Plätze: den Mirtenhof, den Löwenhof und den Garten der Lindaraja, welche wie die Winkel eines Dreiecks auseinander liegen. Die hohen und luftigen Gemächer sind zu ebener Erde angelegt; nur die Bäder und einige andere Räume liegen unter ihnen, halb über, halb unter der Erde. Alle innern Wände sind mit Gypsplatten getäfelt, von denen Tausende in einer Form gegossen worden sind. Manchmal entsteht erst durch die Zusammensetzung vieler Platten ein Ganzes, und