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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Mutterlande; wieder anders zog der Koburger die Phantasielinien seiner Landesgrenzen; der Hannoveraner konnte die Selbstständigkeit von Oldenburg, Bremen, Braunschweig etc. durchaus nicht als nothwendig anerkennen; und was in gut schwäbischen, pfälzischen, fränkischen Köpfen spukte, überbot sich gegenseitig an politischer Kühnheit unter der Glasglocke des Pfahlpatriotismus. Erhob doch die Springfluth des achtundvierziger Jahres anfänglich viele bayerische Geister zu keiner höheren Anschauung, als auf die Erweiterung ihrer „Reichsgrenzen“ durch Einverleibung aller kleineren Nachbarschaften zu denken. So eng hing noch der allgemeine Volkswunsch mit der Freude am Dynastienglanz zusammen, und so beschränkt war noch immer der politische Gesichtskreis der klein- und mittelstaatlichen Unterthanenaugen in Deutschland.
In einem so wohlorganisirten Polizeistaatssysteme, wie Metternich es in Deutschland begründet und der Bundestag es gepflegt hatte, darf man es zu den ehrendsten Wundern unserer Geschichte zählen, daß eine einzige Revolution mächtig genug war, um in allen deutschen Staaten den patriarchalischen Dynastienzauber vollständig zu zerstören, und daß es nur einer abermaligen zehnjährigen Reaktion bedurfte, um die Macht der nationalen Idee im ganzen deutschen Volke zum Durchbruch zu bringen. – Nur wem das Bild der so rasch alt gewordenen Zeit noch vor Augen steht, wo schon das Herantraben „herrschaftlicher“ Pferde jede Hand nach dem Hut in Bewegung setzte, nur der wird den bedeutenden Wandel in den gemüthlichen Beziehungen zwischen Dynastien und „Unterthanen“ ganz ermessen, einen Wandel, welcher mit den landständischen Kämpfen um das Mein und Dein der Staats- und Fürstengüter begann und auf dem Felde der Rechtsvertheidigung fortgeführt wurde bis zu jener sehr ernsten Scheidung der Interessen der Souveränetäten und der Nation, welche gegenwärtig Deutschland am stärksten bewegt.
In diese Blüthezeit der Reaktion fällt das freiwillige Aufgeben der Souveränetät der beiden Fürstenfamilien von Hohenzollern und die Vereinigung ihrer Länder mit dem Staate der stammverwandten Hohenzollern in Preußen.
Will man diesen Staatsakt auch nicht gerade jenen an die Seite stellen, durch welche noch in der nachnapoleonischen Zeit ganze Landestheile mit ihren Bewohnern von ihren Herren von Gottes Gnaden um schnödes Geld verschachert worden sind, so empört sich doch nicht minder die Würde eines Volks und das Rechtsbewußtsein unserer Zeit dagegen, ein sogar sogenannt „konstitutionelles“ Volk von seinem Fürsten nicht höher geachtet zu sehen, als eine Heerde, über die der Besitzer nach Willkür verfügen kann. Hatte schon die Erbtheilung im ernestinischen Sachsen, die noch in die Zeit vor der Julirevolution gefallen war, viel Erbitterung erregt, weil man sie ausgeführt hatte ganz wie einen Privathandel, ohne die gesetzlichen Vertreter der betreffenden Bevölkerungen, die Landstände, nur mit einer Frage über etwaige Wünsche und Bedürfnisse der „Erbschaftsmasse“ zu beehren, so mußte dies in noch stärkerem Grade der Fall sein in den beiden hohenzollerschen Fürstenthümern, wo unmittelbar
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 261. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/271&oldid=- (Version vom 23.1.2026)