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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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nach, ja in Folge ihres Miniatur-Antheils an der allgemeinen deutschen Bewegung von 1848 die Leute sich eines schönen Abends als Hohenzollern-Sigmaringer und Hechinger niederlegten, um am andern Morgen als Preußen zu erwachen.
Beide Fürstenthümer hatten zu den stillglücklichen in Deutschland gehört; sie hatten in ungestörtem inneren Frieden dahin gelebt, und beide Regierungen waren redlich bemüht gewesen, die Quellen des Wohlstands und der Bildung des Volks zu hüten und zu vermehren. Lage und Naturreichthum des Landes unterstützten ihr Bemühen; dabei machte der kleine Staatshaushalt so wenig Aufwand, daß die Steuern und Abgaben nirgends drückten, während namentlich Sigmaringen dabei vollkommen schuldenfrei war. Wenn irgendwo, so zeigte sich in diesen beiden Ländchen ein erfreuliches Bild der alten patriarchalischen Wirthschaft. Um so empfindlicher mußte daher gerade hier von den Fürsten der rauhe Zug der Revolution verspürt werden. In Sigmaringen hatte ein Advokat Würth sich an die Spitze der Bewegung gestellt und bald einen so großen Theil der öffentlichen Gewalt an sich gerissen, daß der alte Fürst Karl im Unmuthe die Regierung zu Gunsten des Erbprinzen Karl Anton niederlegte; als aber gegen diesen die Agitation noch schroffer auftrat, ja ein Sicherheitsausschuß die Regierung förmlich in Würths Hand zu legen drohte, da verließ der Fürst mit allen Regierungsbehörden (am 27. September 1848) das Land und viele Einwohner folgten ihm nach. Jetzt regte sich der Geist in den Landgemeinden, der von je treu am Alten festhält, und sein Einspruch war mächtig genug, um den Sicherheitsausschuß zu stürzen und den Fürsten in das Land zurückzuführen. Trotz dieser anscheinlichen Versöhnung ward schon damals die Absicht beider Fürsten, ihre Länder, kraft der hohenzollerschen Familien-Verträge von 1695 und 1707, an Preußen abzutreten, ruchbar und erregte den heftigsten Widerspruch aller Parteien des Volks wie der Regierungsanhänger. Indeß schien der innere Friede wieder hergestellt, die Regierung gab den Wünschen der Volkspartei nach und ließ sogar die Truppen auf die Reichsverfassung vereiden; erst als auf der großen Volksversammlung bei Gammertingen (am 3. Juni 1849) Forderungen an die Regierung gestellt wurden, von deren Erfüllung man die fernere Anerkennung derselben abhängig machte, erst da scheint der Entschluß, der Souveränetät zu entsagen, in den Fürsten gereift zu sein, und ward auch ohne viele Umstände, die ohnedies in jenen Jahren nicht in der Mode waren, zur Ausführung gebracht: am 1. August besetzten 2000 Mann Preußen Stadt und Schloß Sigmaringen, und am 7. December 1849 unterzeichneten beide Fürsten den Vertrag über die Abtretung ihrer Länder an die Krone Preußen. Die feierliche Huldigung vor dem König geschah erst am 13. August 1851 auf der Stammburg der Hohenzollern.
Die Gegenwart scheint einen Grundsatz wiederherstellen zu wollen, der jene alten fürstlichen Erbverträge, welche die Länder zu feiler Waare und die Völker zu verkäuflichem Inventar erniedrigen, zerreißen wird: den Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts der Völker, des ersten und ältesten Rechts aller Nationen, ihnen von
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 262. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/272&oldid=- (Version vom 23.1.2026)