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Tyrannen geraubt und nun, wunderbarerweise, von einem Despoten als eine neue Erlösungslehre verkündet. Aber haben denn solche Grundsätze einen anderen als doktrinären Werth, so lange ihnen nicht die Garantien der Macht sich beigesellen, um sie zur Thatsache zu machen und aufrecht zu erhalten? Mag auch eine große benachbarte Nation durch heißen Kampf, eine andere durch drohende Machtentfaltung diesen Grundsätzen den Sieg verschafft und uns ein leuchtendes Vorbild der Nachahmung gegeben haben, mögen durch russell’sche Noten und napoleonische Reden diese Grundsätze in den neuen Kathechismus des Staatsrechts sich einschmuggeln, für uns bleiben sie ein todter Begriff, so lange sie sich nicht aus den Spalten der Zeitungen oder von den Tribünen der Kammern hinauswagen dürfen, ohne sogleich dem Strafgesetz und Polizeireglement zu verfallen.

Hätte jener durch die Schlauheit eines Tyrannen zum Evangelium erhobene Grundsatz, der gleich dem babylonischen Thurmbau eine neue Völkerscheidung einleiten soll, der in der That heute alle Geister bewegt und überall das Nationalbewußtsein wach ruft, Anerkennung im wiener Kongreß gefunden, – wie viel Blut und Elend würde Europa erspart worden sein! Und wie viel Blut und Elend wird noch über Europa kommen müssen, ehe mit diesem Grundsatz die Fürstenrechte, die bis heute noch allein sich Völkerrechte nennen, sich vergleichen und versöhnen werden! – Die bittersten Erfahrungen sind auch in dieser Beziehung uns, sind dem armen Deutschland vorbehalten, wenn nicht der große Lenker der Geschicke vor Allem die Herzen lenkt, die der Nation ihr einzig wahres Heil freiwillig bereiten können, – im anderen Fall aber unsägliches Unglück über sie verhängen.


Der Gegenstand unseres Bildes bedarf weniger Worte. Sigmaringen ist eine kleine Stadt von der Erscheinung, wie sie alle ehemaligen Residenzen von derselben Größe bieten. In den alten Theilen eng und unregelmäßig, hat sie durch die Baulust der Fürsten einen stattlichen Ansatz neuer Straßen erhalten, aus denen jedoch das gewohnte Wohlleben harmloser Existenz verschwunden ist, seitdem der fürstliche Hof sie verlassen hat. Neue Erwerbs- und Verkehrsmittel müssen erst den Verlust ersetzen, um der Stadt zu einer neuen und ehrenvolleren Blüthe zu verhelfen. Ein Denkmal der vergangenen Herrlichkeit wird noch späten Nachkommen in dem Schlosse emporragen, das auf seinem Felsengrund an der jungen Donau unserm Leser im Bilde vor Augen steht.