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Grace-Church in Newyork.




Die wegen Schönheit ihres Baues, Reichthum ihres Seckels, Vornehmheit ihrer Gemeinde berühmteste Kirche in den Vereinigten Staaten – jedoch nur ein Blick auf’s Bild beweist, daß die Amerikaner trotz ihrer Prahlerei, troß ihres Eifers für „Worshipping“, religiöse Uebungen, Sonntagsgesetze und Gemeindeleben, trotz ihres buntscheckigen Heeres von Dienern der Kirche, die unablässig mit der Opferbüchse terminiren gehen, trotz Vermächtnisse, Stift- und Schenkungen reicher alter Jungfern und frommer Sünder, in heiligen Werken der Kunst es noch nicht einmal so weit gebracht haben, als der gläubige Sinn mancher kleinen Gemeinde unserer Vorältern, oder eine auferlegte Buße oder ein frommes Gelübde in früherer Zeit – von unseren himmelanstrebenden Münstern und hohen Domeskuppeln gar nicht zu reden, aber wie viele kleine Städte unseres Vaterlandes schmückt ein hohes herrliches Gotteshaus, verborgen, bescheiden, höchstens vom Kunstforscher gekannt und aufgesucht, mit dem der prunkende Marmorthurm von Grace Church sich noch nicht einmal messen darf.

Der Stock-Yankee, der außer seinem „Great Country“ nichts Großes kennt, noch anerkennt, will’s freilich nicht Wort haben und fragt jeden „Grünen“, ob es in Europa auch so hohe Kirchthürme gäbe, wie der von Grace-Church, und so lange Straßen, wie Broadway; der, wenn auch selten gefundene, gebildete Amerikaner aber gesteht zu: „man suche in seinem Lande vergeblich nach den Wundern religiöser Werkthätigkeit, wie sie Europa im Ueberfluß aufzuweisen hat, nicht aber, weil der gottgebornen Seele die Kraft zu solchen Werken nicht mehr innewohnte, oder weil die Quelle der göttlichen Begeisterung nicht mehr so voll und so anhaltend sprudelte, als ehedem, sondern einfach weil Gott die Inspirationen und Schaffenskraft der Sterblichen auf andere Ziele gelenkt hätte. Die Religiösität unserer Tage fände ihren Ausfluß vielmehr in Werken der Wohlthätigkeit, als in Bauten aus Stein und Mörtel, sie sei praktischer in Verwendung ihrer Kräfte, werkthätiger nach außen, vielseitiger in Auffassung ihrer Ziele, im Gegensatz zu der nach innen gerichteten selbstgenügenden Beschaulichkeit, und ihrer Concentration in einem einzigen gottgefälligen Gedanken, – einem Kirchenbau, wie zur Zeit der Priesterherrschaft und der kindlichen blinden Gläubigkeit. Der heutige Gottesglaube sei der Glaube an Humanität, der nicht in Marmor, sondern an der Veredlung der Form arbeite, welche die menschliche Gesellschaft zusammenhält und bildet, der forsche den Gesetzen nach, welche das Streben der Menschen regeln und führen, der errichte Institutionen zum Heil und ordne Staaten zur Sicherheit des Geschlechts – für diese ihre Religiösität sei der Raum in Basiliken und Kathedralen zu eng, denn, schließt emphatisch seine Rede, der Geist unserer Zeit strebt,