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leben jetzt über anderthalb Millionen Menschen zerstreut, welche seit lange schon den großen Strom bis zu den Anthonykatarakten mit Dampfern befahren, und ihn mit dem Missouri durch Eisenbahnen verbunden haben. Und noch sind das Alles erst Anfänge, wenn auch sehr großartige. Zu der reichen Ausstattung, mit welcher die Natur jenen Nordwesten bedacht hat, indem sie ihm fruchtbaren Boden, Holz, Kohlen, Metalle und Wasserkraft in unerschöpflicher Menge verlieh, gesellt sich die bevorzugte geographische Lage als Bürgin für die große Zukunft der neuen Staaten. Wasserwege verbinden sie mit dem St. Lorenzstrome, dem Hudson und mit dem mexikanischen Meerbusen, an welchem neben Palmen der Zucker gedeiht, gegen den der Norden sein Pelzwerk und Getreide tauscht. Gleichzeitig spinnt sich von allen Seiten ein Eisenstraßennetz so rasch über jene Zone, daß man noch in unserm Jahrzehnt von den Seen Winipeg und Athabaska bis zur mexikanischen Grenze auf Eisenbahnen fahren wird. In Nordamerika arbeiten überhaupt die Menschen an einer neuen Phase der Kulturentwickelung mit ungeheurem Eifer; Fortschritt, Wachsthum und Gedeihen der Staaten sind derart eigenthümlich, daß die Maßstäbe der alten Welt nicht passen. Das Volk in jenem merkwürdigen Lande hat, weil es für jede Bewegung freien Raum findet, und aus so mancherlei einander ergänzenden Bestandtheilen zusammengesetzt ist, einen schnelleren Uebergang von der wilden Natur zur Reife gesellschaftlicher Ausbildung, eine kürzere Spanne zwischen dem Samenkern und dem ausgewachsenen, Früchte tragenden Baume, als die Nationen Europa’s, deren Kulturfrüchte unter ganz verschiedenen geschichtlichen Bedingungen zwar viel später zeitigen, aber, wie wir uns dünken, um so edler werden.

Jener nordwestliche Garten mit seinen blumigen Wiesenflächen ist allerdings ein herrliches Geschenk, welches die Natur dem Menschen darbietet, aber nutzbar kann dieser ihn nur durch seine Arbeit machen. Die Blüthe der drei obengenannten Staaten ist nur durch gewaltige Anstrengung vieler zusammenwirkenden Kräfte erreicht worden. Da kommt der Einwanderer aus Europa oder der Squatter aus irgend einem Staate auf der östlichen Seite des Alleghanygebirges, um sich im Westen eine neue Heimath zu gründen. Er sucht eine passende Stelle aus und bauet ein Blockhaus, damit er für den langen Winter sein Obdach habe. Im Frühjahr folgen Frau und Kinder nach, und nun ist der Farmer nicht mehr ganz einsam. Aber seine nächsten Nachbarn wohnen, meilenweit von ihm entfernt, zerstreut umher. Er hat sich im westlichen Iowa, etwa auf einer Prairie am des Moines Flusse niedergelassen und findet an einem Sonntage hinlängliche Muße, einem seiner Freunde in den alten Staaten seine Erlebnisse zu schildern. „Wer“, sagt ein solcher vor uns liegender Bericht, „noch nicht in einer neuen Ansiedelung, in einem neuen Lande, gelebt hat, macht sich keine Vorstellung von dem, was man entbehren muß, wenn man auch Geld hat. Ich fing mit geringen Mitteln an, hatte viele kleine Kinder, die mir noch nicht hülfreich zur Hand gehen konnten, und meine letzten 50 Dollars verausgabte ich, um ein Joch Ochsen zu kaufen; weitere 50 Dollars blieb ich schuldig. So fing ich an. Als die Kinder da waren, kaufte ich auf Borg zwei Kühe der Milch wegen; die eine mästete ich, verkaufte sie nebst zwei Kälbern und etwas Heu, und davon konnte