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Unterschiede der einzelnen Felder erst heraussuchen muß, obgleich man augenblicklich gewahrt, daß man etwas Neues vor sich hat, wenn man ein neues Feld betrachtet. In den Winkeln des Säulenganges sieht man wieder jene wirklich fabelhaften Tropfsteinkuppeln, welche eben nur ein arabischer Geist sich ausdenken, eine arabische Hand zu bilden verstand. Man wandelt hier wie träumend auf und nieder; jeder Schritt bringt ein neues Bild vor das Auge, welches zuletzt wirklich ermüdet. Es ist gar nicht möglich, alle Einzelheiten zu betrachten: sie beschreiben zu wollen, würde ein immer mißlingendes Unternehmen sein. Die gröbsten Umrisse kann man vielleicht wiedergeben: mehr aber gewiß nicht!

Jedes einzelne Bauwerk, welches der Löwenhof enthält oder dem Beschauer erschließt, ist ein vollendetes Kunstwerk in seiner Art. Auch der Löwenbrunnen ist es, obgleich die 12 Träger der gewaltigen Marmorschale nur entfernt dem Könige der Wildniß gleichen; denn der Koran verbietet mit dem Bibelworte: „Du sollst Dir kein Bildniß machen!“ eine naturgetreue Darstellung der Löwen. Die Brunnenschale schmücken arabische, des Khalifen Ruhm verherrlichende Verse längstvergessener, namenloser Dichter. Mehrere Male geht man in den Säulenhallen des Hofes auf und nieder; dann aber sucht man nach Ruhe und wendet sich einem der Räume zu, in der Hoffnung, sie dort zu finden. Vergebens! Die Ruhe der Uebersättigung erlangt man, nicht aber die Ruhe des Schauens. Denn wiederum tritt so viel Neues vor das Auge und das Neue ist so schön, daß man sich immer wieder damit beschäftigen muß. Augen und Geist finden hier Beschäftigung, nicht bloß für Stunden, sondern für Tage und Wochen.

Wir treten zunächst in den Saal der Aben-Serragen ein. Ein gleichseitiges Viereck bildet die Grundgestalt; rechts und links schließen sich ihm gleichlange, aber schmale Zimmerchen an, welche nur durch zwei in der Mitte auf einem Säulenpaare ruhende Bogen von ihm getrennt sind. Nach oben verwandelt sich das Quadrat in einen achtstrahligen Stern. Wie aus der Mauer geboren und nur noch an die Mutter sich anlehnend, lieblich leicht, der sicheren Stütze bewußt, treten aus den Winkeln Vierecke, aus der Mitte jeder Wandseite Dreiecke hervor, um diesen Stern zu bilden; so sicher schweben sie, daß sie unten noch ein ganzes Heer von Gypsgebilden halten können; frei, kühn steigen sie auf, um die Kuppel zu tragen; doch nein, nicht eine Kuppel, sondern eine Menge von in- und nebeneinander schwebenden Kuppeln in Stern- und Kreisform, und Gypsgehänge, eingesenkte Arabeskentafeln, – ich weiß keine Worte weiter für alle die verschiedenen Gestalten dieser Tropfsteinnachbildungen – tragen sie und Alles hängt fest an- und untereinander, oder Eines schwebt in und über dem Andern. „Schweben“ ist hier der bezeichnende Ausdruck, denn der Gedanke des Schwebens spricht sich deutlich genug aus. Damit die Kuppel recht erleuchtet sei, damit Licht und Schatten hier den Reigen führen und zu der Zauberei in Stein noch die in Farben kommen könne, läuft unter der eigentlichen Wölbung noch eine