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Reihe von Fenstern um die Kuppel und zwischen diesen Fenstern springen Halbsäulchen aus der Mauer hervor, welche einzig und allein jenen Gedanken verkörpern sollen. Sie sind nicht bestimmt, Lasten zu tragen; denn jede Last würde sie zerdrücken; haben sie ja doch nicht mehr als zwei Zoll im Durchmesser! Aber dafür trugen und tragen sie heute noch aus längstvergangener Zeit den kühnen Gedanken des arabischen Baumeisters in unsere Tage hinüber: „Die Kunst beherrscht die Welt; sie gibt dem Stein Leben und Flügel, besiegt das Gesetz der Schwere und wird dafür zum Träger der plumpen Last.“ – Das Ganze läßt sich nicht beschreiben, – vielleicht kaum mit dem Pinsel wiedergeben. Man muß diesen Saal selbst gesehen haben; man muß in ihm gewesen sein, wenn der letzte Schimmer der Abendröthe durch seine Fenster fällt und jene Malerei einer Vollmondsnacht beginnt, welche ich aller Welt gern beschreiben möchte, – wenn mir Jemand die Worte dazu gäbe. Der Saal der Aben-Serragen gleicht in Wahrheit

„einem Truggesicht
der Wüste, blendend, schimmerreich!“

mag man nun den Blick auf einer seiner Wandflächen haften, in der Kuppel sich verirren oder durch die Thür und den Löwenhof hinweg nach dem Saal der zwei Schwestern hinüber schweifen lassen.

An einem Theile der Wand hat man die alten Farben wieder aufgefrischt und damit dem Beschauer einen Begriff der alten Herrlichkeit und Pracht des maurischen Zimmerschmucks zu geben versucht, zu dessen Verständniß man in der That erst durch diesen Farbenreichthum gelangt. Aber auch das arabische Gedicht, dessen ich früher gedachte, lernt man verstehen: weil hier jeder Stein wirklich zum Edelsteine geworden ist. Und wenn man dann beim Scheiden noch nach dem Saale der beiden Schwestern hinüberblickt, wo 6 Bogen hinter einander stehen, von denen der entferntere immer kleiner ist, als der vorhergehende – damit auch kein Theil seiner Schönheit dem Auge entzogen werde: – trägt man sicher das schönste Mährchenbild und vollen Glauben an dasselbe mit sich hinweg; denn das Gesehene ist ja nichts Anderes, als ein von den Mauren im Abendlande zurückgelassenes, versteintes arabisches Mährchen.

Daß diesen Raum die Sage sich erkor, um zu der Dichtung in Stein noch die in Worten zu fügen, ist leicht erklärlich. Aber diesmal ist die Sage nicht so freundlich als der von ihr erwählte Ort. Sie weiß zwar von zarten Liebesworten und der Minne süßem Lohn zu erzählen, aber sie berichtet auch vom Blute, welches eben dieser Liebe wegen vergossen wurde. Ob die Sage wohl Recht hat zu behaupten, daß der Saal seinen Namen zum Gedächtniß der blutigen Rache des letzten Königs von Granada tragen soll? Ob es wohl wahr ist, daß der Emir und Wahli Ibn-Achmed, der Tapferste und Ritterlichste aller Aben-Serragen, seine Blicke zu den dunkelblauen Augen der Sultanie Soraïde erhob und von diesen himmlisch schönen und so seltenen Augen