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begnadet wurde? Und ob es begründet sein mag, daß Beide dann unter der weltberühmten Cypresse im Garten des Generaliefe Liebesschwüre tauschten, weshalb der Baum noch heute die Cypresse der Sultanin heißt? – Aber die Segries, jene Erzfeinde der Aben-Serragen, kündeten dem Könige, daß der schönste und edelste Mann Granada’s das Herz der Königin und mit ihm Alles errungen habe, was er, der Herrscher, vergeblich ersehnte. Denn Soraïde liebte ihn nicht; Boabdil hatte sie gegen ihren Willen zur Sultanïe erhoben und war ein wüster Schwächling, den sie verachten mußte. Ibn-Achmed aber war Fürst, wie der Sultan selber, sein Blut floß eben so rein, als daß des Königs: – und alle Schönen Granada’s hatten ihn längst gekrönt in ihren Herzen. Boabdil raste vor Wuth, als er die Liebesmähr erfuhr, und schwur bittere Rache. Er ließ den tapfern Mann und seinen ganzen Anhang in sein Schloß bescheiden – und im Saale der Aben-Serragen auf die erbärmlichste Weise meuchlings umbringen. Das Blut der Königin Soraïde mischte sich mit dem ihres Geliebten!

Zwar leugnen die Geschichtsforscher auch diese Sage; aber das Volk, gläubiger als sie, läßt es sich nicht nehmen, daß mehre dunkle Flecken auf den Marmorplatten im Saale, welche man noch heute den Fremden zeigt, von dem damals vergossenen Blute herrühren. Auch ich will ihnen ja gerne Glauben schenken.

Der Saal der Gerechtigkeit stößt an die hintere, schmälere Seite des Hofes. Drei Haupteingänge führen zu ihm; vor dem mittleren erhebt sich eine der beiden tempelartigen Thorhallen. Einfache oder mit Gypshängewerken verzierte Bogen scheiden ihn in 10 Abtheilungen. Die so abgegrenzten Räume sind klein; aber sie stören den Gesammteindruck nicht. Einige Theile bilden Zimmer für sich und sind auch mit eigenen, wundervollen Holzkuppeln überdacht, während in den übrigen Räumen Tropfsteindecken vorhanden sind. Die Holzkuppel des Zimmers, in welchem der Richtersitz des Königs gestanden haben soll, ist vergoldet und zeigt die ziemlich rohen Bilder von 10 Richtern in der Tracht der damaligen Zeit; zwei andere kleine Kämmerchen zu beiden Seiten begrenzen die Thronnische und sind in ähnlicher Weise verziert; man sieht im Deckengewölbe mangelhafte Darstellungen von Kämpfen maurischer Helden mit christlichen Rittern und wilden Thieren. Wenn man sein Auge der unnachahmlichen Gypsbildnerei zuwendet, übersieht man gewiß die fehlerhafte Malerei.

An diesen Raum reiht sich der Saal der beiden Schwestern an: dasjenige Gemach, welches dem gegenüberliegenden Saale der Abencerragen seinen Rang streitig machen kann. Jedenfalls ist er das würdigste Seitenstück desselben, in vieler Hinsicht übertrifft er ihn wohl noch. Er zeigt sich ganz als das Prunkgemach eines Königs, aber eines morgenländische Pracht liebenden Königs. Der Eingang zu ihm und seine Kuppel sind gleichsam sprechende Zeugnisse des Siegesjubels der Kunst nach vollkommen errungener Herrschaft über die Masse. Es hält sehr schwer und ist jedenfalls mehr oder minder einseitig, in der Alhambra von schön und schöner zu