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Innere seiner weißen Häuser zur Schau; aber der Blick konnte auch die ganze herrliche und zur Maurenzeit noch weit köstlichere Fruchtebene erfassen und in einem Umsehn von deren fernen farbenreichen, blauüberdufteten Grenzgebirgen zu den höchsten Zinnen der Halbinsel schweifen. Das war und ist wohl ein Ort, wie sich ihn eine Königin wählen mag, ihr Auge zu ergötzen.

Ein einfach gehaltener Gang führt von hier aus nach dem Saale der Gesandten, dem größten und höchsten Raume des Schlosses. Eine Holzkuppel überdeckt ihn. Sie ist sehr schön, steht jedoch den Tropfsteingehängen der übrigen Kuppeln nach. Der Saal ist überhaupt weniger zierlich, als die übrigen Räume, dafür aber großartiger, ächt königlich und ganz geeignet, dem eintretenden Botschafter fremder Herrscher einen hohen Begriff von der Macht und dem Reichthum des ihn empfangenden Königs zu geben. Er wird durch 9 große und eben so viele kleine Fenster erleuchtet, von denen sich je 3 auf jeder Seite befinden. Die letzteren laufen unter dem oberen Sims dahin; die ersteren stehen in besonderen, wundervollen Nischen; je das mittelste einer Reihe ist ein durch eine schwache Marmorsäule geschiedenes Doppelfenster, und die Nische über ihm stets mit einer Holzkuppel bedeckt, während die der anderen nur eine einfache Holzdecke trägt. Ueber jedem größeren Fenster sind noch zwei kleinere oder vielmehr nur Gypsplatten mit verschiedenartigen gerad- und kreislinigen Einschnitten angebracht, durch welche Oberlicht in den Saal fällt. Auch die Wandverzierungen entsprechen dem allgemeinen Gepräge dieser Halle. Sie zeigen sich nur in den Nischen in der ganzen Lieblichkeit der Alhambra; sonst sind sie ernst und ruhig, ja fast streng. Um die Thor- und Fensterbogen, um das Hauptgesims, und mit kufischer Schrift abwechselnd auch um das mittlere, läuft der bekannte Wahlspruch, während man in kleinen Kreisen und Ellipsen die Worte liest: „Der Sultan Abu el Hadjadj hat mich erbaut; möge Gott für ihn siegen!“

Man muß sich in dem Saal der Gesandten einen seiner längst vergangenen Tage vergegenwärtigen. Der Fürst und Herr aller Gläubigen, der Sultan und Herrscher der königlichen Stadt Granada, saß hier auf seinem Throne, umgeben von den Großwürdenträgern seines Reiches. Seine Unterthanen, Fürsten, Kriegsoberste, Richter und Koranverständige umstanden ihn im reichen und prächtigen, von Perlen und Edelsteinen glänzenden Waffenschmuck; schwarze und weiße Diener bewegten sich zwischen der Menge oder harrten im Vorgemach des christlichen Botschafters, welcher im einfachen, mit dem Kreuz gezierten Eisengewande hereintrat, um Krieg oder Frieden zu bringen. Es galt ihm gegenüber Pracht und Glanz zu entfalten; und sicherlich geschah dies auch in so vollem Maße, daß folgende Inschrift des Saales nicht allzukühn erscheinen mochte:

„Nachkomme der Könige, Deiner Höhe vergleichen
Sich selber die Sterne nicht in den himmlischen Reichen.
Dies Schloß, welches, o Herrscher, Du hier Dir erbauet,