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Gebrauch: des Morgenlandes; – und wenn auch hier leider Blut vergossen worden ist: es sind nur Tropfen gewesen gegen die Ströme, welche die späteren Beherrscher der Veste „von Rechtswegen“ oder zur „Ehre des Alleinigen“ vergossen haben! Deshalb klingt dem ehrlichen Spanier der Name dieses Thores heute noch wie Hohn auf sein Volk und seine Zeit.

Der Wachtthurm liegt auf der Westseite der Veste, gerade über dem heutigen Granada. Der Besucher, welcher sein flaches Dach betritt, steht auf derselben Stelle, von welcher am 2. Januar 1492 der Graf von Tendilla das erste spanische Banner aufpflanzte und der Kardinal Mendoza mit lauter Stimme herniederrief:

„Granada, Granada, por los ínclitos reyes de Castilla!“

wie eine in der Mauer eingefügte Gedenktafel erzählt. Ueber ihr hängt eine Glocke, welche bloß am Jahrestage dieses hochwichtigen Ereignisses ihren ehernen Mund aufthut, während der übrigen Zeit des Jahres aber nur des Nachts in Zwischenräumen von höchstens drei Minuten den Klang einer bestimmten Anzahl von Schlägen über die Fruchtebene entsendet, um dort die Bewässerung zu regeln. Diese Glocke, das Wasser und die Nachtigall im Verein muß man hören: da steigen tausend Bilder vor dem geistigen Auge auf! – Von dem platten Dache des Wachtthurmes genießt man eine entzückende Aussicht über Granada und seine Ebene, zumal zur Zeit des Sonnenuntergangs, wenn die östlichen Gebirge sich in ihren rosigen Schimmer kleiden: – doch, wo käme ich hin, wollte ich mich hierbei aufhalten. Ich darf ja nur Namen nennen, wo ich beschreiben möchte! Noch gar Vieles hätte ich zu berichten von den übrigen Gebäuden und Plätzen der Alhambra, von den Thürmen, Mauern, Plätzen, unterirdischen Wasserbehältern und anderen Sehenswürdigkeiten, kurz von Allem, was aus der alten Maurenzeit herüber zu uns spricht: aber ich muß und will mich beschränken.

Doch von Einem kann ich nicht schweigen: von dem köstlichen Garten, „Djenne el ârífe“ – liebliches Paradies nannten ihn die Mauren, und ein liebliches Paradies ist er; hundert Sagen reden von ihm, und hundert Mährchenbilder werden in der Seele Dessen wach, welcher in ihm wandelt. Gegen Abend muß man in ihm weilen, kurz vor Sonnenniedergang von ihm aus auf Granada niederschauen. Da begreift man, daß dieser Ort das stille Heiligthum glühender Herzensliebe sein konnte, ja sein mußte; da werden alle die Mährchensagen zur vollgültigen glaubwürdigen Wahrheit. Wenn die Sonne niedergeht und ihre goldenen Strahlen in das Blattgrün der Fruchtebene einwebt; wenn die Stadt unten erglüht und noch einmal aufjauchzt im Sonnenlicht; wenn die Lichtmalerei auf den Bergen rundum traumartig-feenhafte Bilder wachruft; wenn unten sich der Nebel auf Thal und Ferne legt, während über dem westlichen Ringgebirge, auf den Zinnen der in der Vogelschau vor den Blicken liegenden Alhambra, und in dem Paradiesesgarten noch paradiesisches Leuchten schimmert; wenn endlich die Nachtigall