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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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geglaubt haben, daß eine aus Prinzen bestehende Gesandtschaft des japanischen Kaisers Nordamerika und Europa besuchen würde! Eben jetzt rüstet sie sich, um auf der Powhatan, einem Kriegsdampfer der Vereinigten Staaten, sich einzuschiffen, der sie nach der Westküste Nordamerika’s bringen soll, von wo sie die Vereinigte Staaten-Regierung feierlich einholen und nach Washington geleiten wird, wo sie im März dieses Jahres eintreffen soll.
Die Japaner bilden eines der interessantesten und gebildetsten Völker der Erde. Sie gehören jener Menschengruppe an, welche man unter der Gesammtbezeichnung der mongolischen Raçe zusammenfaßt. Diese begreift den dritten Theil des Menschengeschlechts, sie lagert sich mit ihren etwa vierhundert Millionen Seelen über den größten Theil des Nordens von Asien hin und nimmt auch den ganzen Osten und Südosten dieses größten aller Erdtheile ein. Sibirien und China, Siam und Birma, Tonkin, Kambodscha und Annam, die weite Mongolei, die Mandschurei und Japan, alle diese ungeheuren Länderstrecken vom Polarmeere bis weit über den Wendekreis hinaus, beherbergen Menschen, deren Körpergestaltung und Gesichtsform sie als Angehörige einer großen und eigenartigen Menschengruppe erscheinen läßt. Allerdings finden wir innerhalb dieser Raçe viele Abstufungen im Ausdrucke des Antlitzes, in der mehr oder weniger dunkel gefärbten Haut, die vom lichten Weizengelb bis in’s Bräunliche und Kupferröthliche spielt; das Auge ist mehr oder weniger schräg geschlitzt, auch ist die geistige Anlage und die seelische Begabung bei den vielen Gruppen der zahlreichen Familien sehr verschieden. Es verhält sich mit den Völkern der mongolischen Welt ähnlich wie mit jenen unserer sogenannten kaukasischen Raçe, deren einzelne Gruppen, zum Beispiel Germanen, Romanen und Slawen, einen ganz verschiedenen Gang geschichtlicher Entwickelung genommen haben. Diese ist aber viel weniger durch geographische Verhältnisse bedingt worden, als durch die angeborene und urthümliche Anlage und Begabung, welche so wesentlich auf den Nationalcharakter einwirkt.
So verhält es sich auch in Asien. Wie verschieden vom Mongolen der Steppe ist sein Stammverwandter, der Chinese! Jener lebt noch heute als Nomade in der Wüste, ist ein Viehzüchter auf den Grasebenen, dieser hat seit Jahrtausenden ein geordnetes Staatswesen und mannichfach gegliederte bürgerliche Verhältnisse. Ein solches finden wir auch in dem alten Kulturreiche Japan, aber es weicht sehr wesentlich von der chinesischen Staatsordnung ab, und ist viel mannichfaltiger und lebendiger, wie denn auch das Inselreich von Natur ungleich vielseitiger gegliedert ist, als die kontinentale, einförmige Masse des chinesischen Landes.
Man hat Japan wohl als das asiatische Großbritannien bezeichnet, und in einigen Beziehungen kann man diesen Vergleich gelten lassen. Das japanische Volksleben ist wie verknöchert, Land und Volk sind unter allen asiatischen am wenigsten orientalisch; auch darf man die Herrschaft des Kaisers von Jeddo nicht als eine despotische bezeichnen, und die japanische Gesellschaft ist keineswegs öde und einförmig, wie in andern asiatischen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/43&oldid=- (Version vom 16.1.2026)