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Es muß aber wohl beachtet werden, daß diese Verfolgung nicht etwa ein Ausfluß religiöser Unduldsamkeit war, sondern daß sie einer politischen Partei galt, welche der Herrscher für staatsgefährlich hielt. Die Fremden waren Ruhestörer und deshalb wurde beschlossen, sie alle von dem Inselreiche fern zu halten, mit alleiniger Ausnahme der Holländer, welche für ungefährlich galten, weil sie sich nicht um die inneren Angelegenheiten des Reiches bekümmerten, sondern nur Handel trieben. Ihr Gouverneur schrieb an die Regierung: „Wenn Seine Majestät den Entschluß gefaßt haben sollten, keine Christen mehr in Ihr Land einzulassen, um dort Handel zu treiben, so werden wir uns danach einrichten, sobald wir es wissen; wir sind bereit zu gehen und zukommen.“ Sie durften bleiben. Nichts desto weniger wurden sie mit großem Mißtrauen überwacht und ihr Handel allmählig mehr und mehr eingeschränkt. Anfangs konnten alljährlich zehn mit Waaren beladene Schiffe nach Firando kommen, um zu handeln; später wurde dieser Hafen ihnen verschlossen und man beschränkte sie auf die kleine Insel Dezima bei Nagasaki, wohin sie jährlich nur zwei Schiffe senden durften. Die japanische Regierung steigerte allmählig die Einfuhrzölle, überwachte den Verkehr ängstlich und unterwarf die Holländer manchen lästigen Förmlichkeiten.

Nachdem der Kaiser sein Hausrecht geübt und gefährliche Gäste entfernt hatte, war Japan auf sich selbst angewiesen und von der übrigen Welt so gut wie abgeschlossen, denn auch die Chinesen durften, wie schon bemerkt, jährlich nur eine bestimmte Anzahl von Schiffen schicken. Nun hätte man meinen können, daß durch eine solche Absperrung von der Außenwelt die japanischen Zustände versumpft oder verknöchert wären, aber gerade das Gegentheil ist der Fall gewesen. Unter dem Schutze eines zweihundertjährigen Friedens schwang die Kultur des in seiner ganzen Anlage tüchtigen Volkes sich zu einer solchen Höhe empor, daß dasselbe als das gebildetste Asiens da steht. Es verschaffte sich durch die Entwickelung des eigenen Kunstfleißes den größten Theil der Bedürfnisse, welche es früher von anderen Völkern erhalten hatte, und machte in der Industrie großartige Fortschritte; die Roherzeugnisse stiegen an Werth, Landbau und Gewerbe blühten empor, der Anbau von Baumwolle, Zucker, Seide und Färbestoffen nahm zu, der Wohlstand ist bis heute unablässig gewachsen. Japan bildete eine Welt für sich allein.

Und wie haben nun die zahlreichen Europäer und Nordamerikaner, welche während der letztverflossenen Jahre dieses schöne und fruchtbare Inselreich besuchten, die Zustände Japans gefunden? Alles, was sie sahen, überraschte sie und flößte ihnen Achtung ein; sie fließen über vom Lob des Landes und Volkes, so sehr übertrieben, daß es uns mit zu glänzenden Farben aufgetragen erscheint. Gewiß ist, daß die Japaner keine Barbaren sind, sondern ein hochgebildetes, für allen Fortschritt empfängliches Volk; die Engländer erklären, daß man sie nicht anders denn als „Gentlemen“ bezeichnen könne. Alle Beobachter stimmen dahin überein, dieses Volk sei voll