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Treiben seine Absicht nicht nur gänzlich verfehlen, sondern sogar zum direkten Gegentheile führen: man klammerte sich mit aller Kraft des Patriotismus im jugendlichen Volksherzen an die bedrohte Nationalität an. – Freilich, zürnte man, ist ein ganzes Waisenhaus voll der verschiedensten Kinder mit dem Zuchtstock leicht zusammen zu halten, aber zu einer in Treue und Liebe glücklichen Familie gehören nur einer Mutter Kinder! – So sind denn auch diese Völker allgemach in ein feindseliges Verhältniß zum Gesammtstaat getrieben worden, und Niemand darf ihnen deshalb einen Vorwurf machen; sie folgten dem einfachsten, aber gewaltigsten Zuge der Natur, für welchen eben die Staatenlenker ein feineres Gefühl haben sollten.

Oesterreich hat überhaupt seinen großen Beruf nie erkannt; das vor allen Herrscherfamilien Europa’s fast unwandelbar glückliche Haus trug zu schwer an der deutschen Kaisererbschaft, die es sammt allen Gefahren und Irrthümern angetreten. Der schlimmste derselben war aber die unaufhaltsame Sehnsucht, mit der es jedem Winke zur Machtentfaltung in Italien folgte. Auch darin folgte es einem gewaltigen, aber traditionellen Zug, der einen Theil seiner Erbschaft ausmachte, und wenn schon zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts redliche und gelehrte deutsche Männer in historischen und patriotischen Schriften eindringlich daran mahnten, welch immer sprudelnde Quelle von Unheil Italien von jeher für die deutsche Nation gewesen und wie die Erfahrungen der Vergangenheit Deutschlands Gebieter auf bessere Wege führen sollten, so hatten die braven Männer zwar Recht, aber sie schrieben nur Geschichte und die Fürsten machten sie – nach wie vor. Und doch ward wenigen Staaten ihr Beruf durch die Natur so deutlich gezeigt, wie der Oesterreichs durch seine Donau, die sein Strom, seine Pulsader, seine das Reich von einem Ende zum andern durchziehende Binnenstraße zu sein bestimmt ist, nicht aber seine Grenze.

Mehr als einmal war Oesterreich die Gelegenheit geboten, alle verwandten Völker südslavischer Zunge mit Ungarn unter seinem Scepter zu vereinigen, aber stets ließ es durch Rücksichten einer falschen Politik sich verleiten, das dort siegreich Erworbene wieder aufzugeben. Oesterreichs Beruf nach dem Osten ist älter, als Rußlands Größe; anstatt aber in diesem Rußland seinen gefährlichsten Feind der Zukunft zu ahnen und sich mächtige Freunde gegen dasselbe zu sichern, führte es gemeinsam mit ihm die Waffen und erntete zu seinem Schaden nach jedem Siege den Katzenantheil. Es hat Oesterreich außerordentliche Opfer gekostet, bis Rußland so groß und mächtig an den Mündungen der Donau ward, und es selbst zog sich dann mit absonderlicher Gemüthsruhe aus dem Osten zurück, als ob alle sogenannten civilisatorischen Rechte und Pflichten dort Rußland allein oblägen.

Desto eifriger streckte es nach zwei andern Seiten seine gewaltigen Fühlhörner aus: nach Deutschland und, mit noch mehr Vorliebe, nach Italien. In Deutschland beschränkte es sich darauf, den politischen Fortschritt zu