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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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hemmen; dazu bedurfte es keines andern Mittels, als des in seiner Hand ruhenden Bundestags. Nach Italien sandte es die Kerntruppen aus seinen deutschen, ungarischen und slavischen Ländern, und diese Basis genügte, um seinen politischen Einfluß von Oberitalien an bis zur Spitze der Halbinsel aufzubauen. So stand allerdings Oesterreich als ein mächtiger Staat des Erdtheils da, gepriesen wegen seines trefflichen Heers und selbst mit seinem Haushalte auf dem Wege der Besserung.
Und einen solchen Staat wankend zu machen, genügte ein einziger Schlag. Wie war das möglich? –
Die Erklärung ist einfach. Oesterreich hat den Schwerpunkt seiner Macht, der Ueberlieferung getreu, zwar in Deutschland gesucht, aber nicht in den Sympathien der Nation, sondern, genau wie in Italien, im Bunde mit den Fürsten. Es war von je sein Grundsatz und sein Stolz, dem Volke nie „Koncessionen“ gemacht zu haben. Da kam die Zeit der Freundschaftsprüfung, und siehe: die Nation erhob für den bedrängten Bundesstaat ihr Wort, aber die Uneinigkeit der Fürsten verhinderte die That. – Da mußte Oesterreich fühlen, daß es um den Schwerpunkt seiner Macht gekommen sei: er war nicht mehr in Italien, er war nicht mehr in Deutschland. Aus Grundsatz stützte es sich nie auf die Völker, und die Fürsten hatten es verlassen. Wo nun Rettung suchen?
Gerade in diesem verhängnißvollen Augenblick ist es wiederum das sprüchwörtliche Glück des Hauses Oesterreich, welches ihm Hülfe herbeiwinkt, aber vielleicht zum letzten Mal: sein Beruf im Osten wird ihm als Weg zur Rettung, zu neuer Machtentfaltung deutlich von den Ereignissen selbst vorgezeichnet.
Es gibt kaum ein glänzenderes Zeugniß für die politischen Fortschritte der Völker während des letzten Decenniums, als die jüngsten Kundgebungen der ungarischen Nation. Die Völker an der Donau, wie an den Apenninen und diesseits der Alpen haben sich sämmtlich von dem Wahne der rothen Fahne befreit, ihr Streben ist ein ernsteres, würdigeres geworden: alle trachten nach nationaler Entwickelung und Aller erste Sorge ist demnach die Sicherung der nationalen Selbstständigkeit. Der erste zu diesem Ziele gethane Schritt konnte nur einer gereifteren politischen Einsicht entspringen: die öffentliche Verbrüderung der Ungarn mit den Slaven. Beide Nationalitäten, die noch im letzten Kriege alle Greuel der Barbarei gegen einander verübten, fühlen jetzt die Nothwendigkeit eines festen Zusammenhaltens. Die vielgepflegte Hinneigung der Südslaven zu Rußland ist bekannt, aber Ungarn ist Rußlands Feind, weil dies die einzige Macht ist, durch welche seiner Nationalität die Gefahr des Untergangs droht. Das dermalige Oesterreich kann ihm eben so wenig Schutz gegen Rußland bieten, als seine isolirte Selbstständigkeit dies thun würde; den rechten Schutz, die rechte Macht sieht Ungarn einzig und allein in der Gründung einer großen magyarisch-südslavischen Monarchie, und diese hält es, den Großmächten gegenüber, allein möglich durch Oesterreich. Mit andern Worten: Ungarn will, daß Oesterreich den Schwerpunkt der Monarchie aus Deutschland nach dem alten Ungarreiche verlege.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/56&oldid=- (Version vom 16.1.2026)