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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Der Gedanke ist so groß, daß er nur der einer kühnen Nation sein kann; aber eben so kühn erfaßt und in That verwandelt, ist er auch fähig, eine vollständige Umgestaltung von Südost-Europa herbeizuführen. Wenn zumal Oesterreich mit seinen bisherigen drei größten Feinden, der Glaubensfreiheit, der Verfassungsfreiheit und der Nationalselbstständigkeit, sich nicht nur versöhnt, sondern recht innig verbindet, wenn es in der durch eine solche Verbindung wohlverdienten Liebe und Treue der Völker seine Kraft potenzirt fühlt, wenn es aber auch die Weisheit besitzt, das ihm für immer entfremdete, in seinem Staatskörper nur Gift erzeugende Venetien freizugeben, – dann wird sich längs der Donau und ihren Nebenflüssen eine staatliche Macht entfalten, welche keinen äußern Feind mehr zu fürchten hat, weil kein innerer Feind mehr mit Verrath und Abfall ihr droht. Eine solche Macht muß aber an der untern Donau stehen, denn nur eine solche kann, wenn demnächst der kranke Mann dahin geht, den Donauvölkern ihr Erbe sichern, d. h. den Ausbau des großen magyarisch-südslavischen Reichs, zwischen Balkan und Karpathen, Pontus und Adria vollenden. – Wie werden dann die Häfen dieser beiden Meere aufblühen, wie werden die öden Wasserbecken Dalmatiens, Croatiens, Rumeliens und der Moldau sich mit wetteiferndem Leben füllen, wenn die Ketten des Binnenlandes zerrissen sind und für Alles, was Gottes Segen und des Menschen Fleiß schafft, sich freie Bahnen zu Land und Meer eröffnen! Nur auf den Schultern der Freiheit können Reiche der Zukunft entstehen, nur auf ihnen können die alten sich noch erhalten.
Zu diesem Reiche der Zukunft würde auch der Gegenstand unseres Bildes gehören: Fiume würde als wichtigster Adriahafen desselben den Rang einnehmen, welchen seine Nebenbuhlerin, Triest, auf der andern Seite des illyrischen Dreiecks behauptet.
Fiume liegt reizend im Winkel des Quarnero, der hier ein breites Becken bildet, zwischen den istrischen und ungarischen Festlandufern und von der See her von den schönen Inseln Veglia und Cherso umgürtet ist: Platz genug für künftige Größe. Im Hintergrund erheben sich die Wände und Spitzen der Julischen Alpen, welche dem Bilde Fiume’s große Aehnlichkeit mit dem von Triest verleihen. Aber weniger seine Schönheit, als vielmehr die Gunst der Lage für Industrie, Handel und Schifffahrt verspricht dieser Stadt große Bedeutung. Schon jetzt, wo die reichen Länderstrecken von Ungarn und Croatien mit Fiume noch nicht durch Eisenschienen verbunden sind, vermittelt die Achse des Fuhrmanns einen starken dort mündenden Verkehr. Für große industrielle Anlagen bietet die Recina, welche aus der im Hintergrunde unseres Bildes angedeuteten Schlucht hervorströmt,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/57&oldid=- (Version vom 16.1.2026)