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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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unerschöpfliche Wasserkraft, deren Ausnutzung ebenfalls erst begonnen hat. Ebenso dient der Fluß Fiumana, von dem dieStadt ihren Namen empfing, der Schifffahrt durch den großen Kanal, zu dem er benutzt ist.
Es wird wenige Städte in solcher Lage geben, die so ganz und gar um den größten Theil ihrer Geschichte gekommen sind. Ein Triumphbogen von 60 Fuß Umfang in einem Gäßchen des alten Kommunalpalastes, zu Ehren des Kaisers Claudius II., des Gothischen, errichtet, und Trümmer einer Mauer, die sich vom Calvarienberge bis weit in das Innere von Krain hineinzieht und hier die Grenzlinie des morgenländischen und abendländischen Kaiserthums gebildet haben soll, beide graue Zeugen deuten darauf hin, daß Fiume römische Kolonie war. Zu diesen kommt eine Stelle in Muratori’s Annalen Italiens, nach welcher der König der Hunnen und Avaren, Cacanus, bei Tersaticca den Herzog Lupo von Friaul in einer großen Feldschlacht geschlagen. Tersaticca soll aber Fiume in alter Zeit geheißen haben; Tersatto heißt jetzt noch das alte Schloß und die Kirche auf dem Fels im Hintergrund unseres Bildes. Damit sind aber auch alle historischen Quellen über Fiume erschöpft bis zum Jahre 1510. In diesem Jahre brachte die Unersättlichkeit Venedigs, das Nichts neben sich aufkeimen ließ, was nicht ihm unterthänig diente, der Stadt den Untergang. Der venetianische General Angelo Trevisan gab sie den Flammen und der Verwüstung Preis und seine Soldschaaren vollbrachten dies so vollkommen, daß alles Alte vertilgt, keine einzige Urkunde gerettet wurde, so daß mit der neuen Gründung nun auch die Geschichte der Stadt von Neuem beginnt. Man weiß nur noch, daß Fiume lange Zeit ein Lehen der Patriarchen von Aquileja, später anderer Herren war. Zu Oesterreich kam es unter Kaiser Friedrich III., regierte sich über drei Jahrhunderte lang nach eigenen Statuten, die der Stadt vom Kaiser Ferdinand I. 1530 verliehen wurden, und hielt sogar auf mehren fremden Plätzen seine eigenen Konsuln.
Der blühendste Betriebszweig Fiume’s in der Gegenwart ist der Schiffbau; es leistet allein darin mehr, als alle übrigen österreichischen Küstenplätze zusammengenommen. Im Jahre 1855 wurden 40 Schiffe von einem Gehalt von 13,000 Tonnen vom Stapel gelassen, und dabei stehen die hiesigen Schiffe hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit, Schönheit und Schnelligkeit im vortrefflichsten Rufe. Die wichtigsten Handelswaaren sind, aus dem Hinterlande, Cerealien, Wolle, Bauholz etc., von der Industrie Fiume’s vor der Hand hauptsächlich Mehl, Papier, Tabak etc. etc.
Der Kaiserstaat ist bemüht, Fiume in jeder Weise zu heben, und daß die Stadt dies anerkannt hat, zeigt ein schöner Brunnen mit des Kaisers Bildsäule. Im Jahre 1857 wurde die Marine-Akademie von Triest hieher verlegt; ein Militär-Erziehungsinstitut bestand schon. Neben diesen Bildungsanstalten besitzt Fiume noch ein Ober- und Untergymnasium, eine gute Bibliothek, eine Elementar-Hauptschule und eine Unterrealschule, sowie das nautische Institut, das Handels- und nautische Privatkollegium.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/58&oldid=- (Version vom 16.1.2026)