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Südlich des 16., hier und da bereits des 18. Grades n. Br. gestalten sich die Verhältnisse anders. Der dem Aequator zuwandernde Reisende bemerkt den Einfluß des unter dem entsetzlichsten Aufruhr der Elemente zeitweilig zur Erde herabrauschenden Wassers, sobald er jene Grenzen überschritten hat. Die Sandmeere verschwinden; die staubigen Ebenen, auf denen er bisher nur halbdürres Riedgras kümmern sah, bekleiden sich mit einem Pflanzenteppich, welcher anfangs allerdings noch spärlich ist, gar bald aber reicher und wechselvoller wird; selbst zwischen den glühenden Felsenmassen, deren trostlose Oede höchstens durch die prachtvollen Farben des Südens gemildert wird, sproßt es und keimt es; auch die Gipfel der Berge schmücken sich mit frischem Grün. In jedem Breitengrade, den man weiter durchwandert, begegnet man neuen Pflanzen; die Arten, so wie die einzelnen Gewächse werden zahlreicher. Je mehr man sich der Linie nähert, je flammender die Blitze, je heftiger die Regen werden, um so mehr steigert sich der Reichthum und die Fülle des pflanzlichen Lebens. Bereits unter dem 15. Grad n. Br. vereinigen sich die früher nur einsam, gleichsam verlassen an den Ufern der Ströme oder in den tieferen Niederungen stehenden Mimosen zu Wäldern und sie selbst erstarken zu gewaltigen, schattenreichen, herrlich blühenden und köstlich duftenden Bäumen. Die Ebenen deckt ein oft mannshoher Graswald, welchen einzelne Bäume und dichte Gesträuche überragen; in den Thälern geht die Steppe – denn diese tritt im Innern Afrika’s an die Stelle der Wüste – jedes Mal zum Urwald über; und während nördlich nur die Ströme die Herzadern und Erhalter des Pflanzenlebens waren, wird letzteres südlich des 13.Grades n. Br. allgemein. Je früher die Wiederkehr der Regenzeit erfolgt, oder je länger sie währt, um so ähnlicher an Fülle und Schönheit wird der Pflanzenwuchs Afrika’s dem der in aller Pracht und Ueppigkeit schwelgenden Tropenländer Amerika’s. Die starken und häufigen Regen sättigen hier alle Gewächse hinlänglich, um das ganze Jahr hindurch in voller Frische fortleben zu können. Die unserem Winter gleichbedeutende Zeit der Dürre verliert mehr und mehr ihre vernichtende Gewalt, und die gleichsam noch immer durstige Pflanzenwelt der Steppe wird durch eine ächt tropische ersetzt, obwohl die Dürre auch hier noch mächtig genug ist, wenigstens einen Theil der Pflanzen für einige Wochen in Todesschlummer zu versenken.

Diese klimatischen Einwirkungen haben dem Innern Afrika’s das Gepräge aufgedrückt, das es kennzeichnet. Im Westen wie im Osten, südlich des Gleichers, wie nördlich desselben, scheint es so ziemlich dasselbe zu sein. Das innere Afrika ist eine unermeßliche Steppe mit Urwäldern. Auf Meilen hin deckt Graswald die Ebene, auf kaum minder ausgedehnten Strecken dichter Urwald die Niederung. Die eine wie die andere gehen in einander über und ergänzen sich gegenseitig. Der Urwald ist nur als eine höhere Vegetationsstufe der Steppe anzusehen.