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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Mit diesem reichen Leben der Pflanzenwelt steht das der Thiere und des Menschen im innigsten Einklange. Elephant, Nashorn und Nilpferd, Giraffe und Antilope, Löwe und Leopard, Steppenhund und Steppenfuchs, Erdferkel und Schuppenthier, Pavian und Meerkaze, Geier und Adler mit Prachtgefieder, Papageien und Helmvögel, farbenreiche Bienenfresser und schimmernde Honigsauger, die Kolibri’s Afrika’s, merkwürdige Sänger, zahllose Hühner, Trappen und Laufvögel, unter denen der Strauß als Wundervogel obenan steht, wunderliche Störche, Flamingos, riesenhafte Reiher, der märchenhafte Schuhschnabel oder Wallfischkopf, Pelekane, Schlangenhalsvögel, Enten und Gänse, Schildkröten, Krokodile, riesige Eidechsen, Riesen- und Giftschlangen, tropische Frösche, furchtbare Skorpione, Taranteln, Tausendfüße und lebende Edelgesteine in Schmetterlings-, Bienen- und Käfergestalt sind aus der Thierwelt die bezeichnenden Gestalten für diesen Reichthum, welcher weit mehr an das wassergesättigte Amerika, als an Afrika denken läßt. Auch der Mensch des Innern ist ein ganz anderer, als der der dürren Ränder oder des Südens von Afrika. In seinem ganzen Leben und Wesen ist der Reichthum seiner schönen Natur deutlich ausgedrückt; er ist weniger kräftig, weniger streng, weniger rechtlich, weniger muthig, weniger tapfer, als der Mann der Wüste oder des Nordens, aber er ist dafür fröhlicher, heiterer, leichtsinniger, leider freilich auch ausschweifender und lasterhafter, und weniger verläßlich, als jener. Sorglos lebt er in den Tag hinein; er bedarf wenig und seine Heimath bietet ihm Alles in Fülle, ja mehr, als er bedarf. Deshalb hat er auch nicht Ursache, sich um das irdische Besitzthum zu kümmern, obgleich er dies thut, sobald er einmal zur Herrschaft gelangt ist. Der unselige Sklavenhandel oder vielmehr die unselige Sitte, Sklaven zu halten, überhebt ihn der Arbeit und macht aus ihm einen in jeder Hinsicht leichtfertigen Gesell; jedoch ist der Grundzug seines Wesens so edel, daß diese Leichtfertigkeit selten zum Nachtheil ausartet. Es ist ein sehr großer Irrthum, in welchen wir noch heut zu Tage gewöhnlich verfallen, daß wir uns in den Bewohnern Centralafrika’s lauter halb oder ganz wilde Barbaren ohne jegliche Spur von Gesittung, Glauben, Wissen und Bildung denken. Der größte Theil des Innern und der zugleich für uns wichtigste wird von betriebsamen, nach ihrer Weise hinlänglich gebildeten, Völkerschaften bewohnt, und es ist keineswegs übertrieben, wenn Reisende den Grad der Bildung der dunkeln innerafrikanischen Völkerschaften nicht nur weit über den anderer Erdtheile, sondern auch über den der dicht an Europa grenzenden Marokkaner stellen. Namentlich haben wir in neuerer Zeit an drei Orten die Betriebsamkeit und Regsamkeit, mit einem Worte die Bildung der innern Afrikaner, schätzen gelernt: in Timbuktu, Kano und Charthum, und gewiß verschließt das Binnenland noch mehre diesen ebenbürtige Städte. Die wichtigste unter den bekannten ist unstreitig Kano, das London Afrika’s.
Kano liegt etwas nördlich von dem 12. Grad n. Br., fast unter dem 27. Grad östl. L. von Ferro in der Landschaft gleichen Namens, welche als der Garten der Fellataländer angesehen wird. Die Landschaft ist im
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/66&oldid=- (Version vom 16.1.2026)