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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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hohen Grade anmuthig, sie ist ein wohl bebautes Land, mit zahlreichen Meiereien und reichbestandenen Feldern, zu denen sich üppige Urwaldungen gesellen. Außer der Hauptstadt soll sie noch 27 mit Mauern umgebene Städte und über ½ Million Bewohner haben. Gewaltige Mauern von 4 deutschen Meilen im Umfang schließen die Hauptstadt ein, welche allerdings den durch die Wälle geschützten Raum bei weitem nicht ausfüllt, sondern nur als ein Zufluchtsort der gesammten umwohnenden Bevölkerung bei Kriegen betrachtet wird. Viele Wohnungen sind, wie die gewöhnlichen im Innern Afrika’s: Strohhütten mit kegelförmigem Dach; allein zwischen ihnen finden sich auch viele Lehmgebäude, von denen einige sogar künstlerisch ausgeführt sind. Im Allgemeinen findet man beide Arten von Gebäuden unter einander gemischt, im südlichen Theile der Stadt aber sind die Hütten die vorherrschenden Wohnungen; die Lehmhäuser sind höchst unbequem gebaut und, wie es überall im Innern Afrika’s gebräuchlich, möglichst nach außen abgeschlossen, demnach auch mit möglichst wenigen Fenstern versehen. Manche besitzen einen zweiten Stock, jedoch ist auch dieser nur sehr mangelhaft. Die Hofräume sind stets sehr klein.
Unser berühmter Landsmann Dr. Barth schildert uns das Leben in Kano in sehr ansprechender Weise mit kurzen kräftigen Zügen: „Der Reisende zu Fuß kann sich keinen rechten Begriff von einer afrikanischen Stadt verschaffen, zu Pferde dagegen gewinnt er einen Blick in alle Hofräume und wird Augenzeuge der verschiedenen Geschäfte und Scenen des alltäglichen Lebens. So konnte ich denn auch heute von meinem Sattel aus all die verschiedenen Bilder des öffentlichen und Privatlebens überschauen, äußerlich von denen europäischer Städte durchaus verschieden, und doch wieder in den vielfachen Triebfedern so ähnlich. Hier reiche Buden mit feilschenden Käufern und Verkäufern, dort nackte, halb verhungerte Sklaven unter einem hürdenähnlichen Schattendach zum Verkaufe ausgeboten; Buden mit den schmackhaftesten Lebensbedürfnissen aller Art, auf die der darbende Arme begierig blickt; ein reicher Herr, in Seide und glänzende Gewänder gekleidet, auf einem edlen, reichgezäumten Rosse, gefolgt von einem Troß übermüthiger Sklaven, und wiederum ein armer Blinder, mühsam seinen Weg fühlend. Hier ein freundlich mit neuen Matten und Rohr eingefaßter Hofraumum eine reinliche, gemüthliche Hütte mit wohlgeglätteten Lehmmauern, eine sorgsam geflochtene Rohrthüre an das runde Thor gelehnt, ein sauberer Schuppen für die tägliche Hausarbeit, beschattet von einer sich weit ausbreitenden Alleluba, einer schönen Gonda oder einer hohen Dattelpalme. Die Hausfrau im reinlichen schwarzen Baumwollenkleid, mit einem Knoten um die Brust befestigt, und mit zierlich geflochtenem Haar, geschäftig, die Mahlzeit für den abwesenden Mann zu bereiten oder Baumwolle zu spinnen, die Sklavinnen antreibend, mit dem Stampfen des Korns für das Mahl zu eilen, und umgeben von nackten spielenden Kindern und dem wohlgeordneten Hausrath der irdenen Töpfe und hölzernen Schalen und Schüsseln. Dort die heimathlose Buhlerin im bunten Kleiderschmuck, zahlreiche Perlenschnüre am Halse, das Haar phantastisch geputzt und mit einem Diadem umwunden, ihr vielfarbiges
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/67&oldid=- (Version vom 17.1.2026)